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Fachkräftemangel: Was die aktuelle KOFA-Studie 2025/2026 für die Hörakustik bedeutet

Der Fachkräftemangel bleibt für das Handwerk auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine zentrale Herausforderung. Eine aktuelle Analyse des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zeigt: 2025 bestanden in 59 von 115 untersuchten Handwerksberufen Fachkräfteengpässe. Rechnerisch konnten knapp 100.000 offene Stellen in Handwerksberufen nicht besetzt werden. Für die Hörakustik ist diese Entwicklung besonders relevant, weil sie als Teil des Gesundheitshandwerks auf qualifizierte Fachkräfte und eine funktionierende Ausbildung angewiesen ist.

Fachkräftemangel: Was die aktuelle KOFA-Studie 20252026 für die Hörakustik bedeutet
Bild: Ryoji Iwata / Unsplash

Fachkräftemangel im Handwerk bleibt strukturell hoch

Die Fachkräftelücke im Handwerk ist 2025 zwar um 9,5 Prozent zurückgegangen, in der Gesamtwirtschaft fiel der Rückgang mit 24,1 Prozent jedoch deutlich stärker aus. Die Fachkräftelücke bezeichnet dabei die Zahl offener Stellen, für die es rechnerisch keine arbeitslosen Personen gibt, die eine Stelle im jeweiligen Beruf suchen. Sie ist daher kein direkter Zählwert tatsächlich dauerhaft unbesetzter Stellen in Betrieben. Im Jahresdurchschnitt standen laut KOFA knapp 210.000 offene Stellen in Handwerksberufen rund 140.000 arbeitslose Handwerker gegenüber, die eine entsprechende Tätigkeit suchten. Rechnerisch blieben damit 97.482 Stellen unbesetzbar, weil keine passenden Arbeitslosen für die jeweiligen Berufe verfügbar waren.

Der Fachkräftemangel ist dabei in vielen Bereichen langfristig verankert: 59 der insgesamt 115 untersuchten Handwerksberufe wiesen 2025 Engpässe auf. In 35 dieser Berufe besteht der Mangel bereits seit mindestens zehn Jahren. Neben dem Bauhandwerk ist auch das Gesundheitshandwerk von erheblichen Personalengpässen betroffen. Aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Zahl älterer Menschen wächst laut KOFA der Bedarf an Hilfsmitteln kontinuierlich. Damit gewinnt die Fachkräftesicherung in den Gesundheitsgewerken weiter an Bedeutung.

Engpässe bis zur Meisterebene: Warum Fachkräftesicherung in der Hörakustik die gesamte Qualifikationskette im Blick haben muss

Die Studie zeigt, dass Fachkräfteengpässe im Handwerk nicht auf Gesellen mit abgeschlossener Berufsausbildung beschränkt sind. In absoluten Zahlen fehlen zwar vor allem Gesellen, gemessen am Anteil der rechnerisch nicht besetzbaren offenen Stellen sind Meister und andere Fortbildungsabsolventen jedoch stärker betroffen. Für die Klassifikation der Bundesagentur für Arbeit werden unter der Sammelbezeichnung „Aufsicht – Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik“ unter anderem Optik- und Akustikmeister, Orthopädietechnikmeister sowie Meister der Dentaltechnik zusammengefasst. Gerade auf diesem Qualifikationsniveau bestehen laut der Studie erhebliche Engpässe.

Das Problem hat eine strukturelle Ursache: Wer später einen Meister oder einen anderen Fortbildungsabschluss erwerben möchte, benötigt in der Regel zunächst eine abgeschlossene Berufsausbildung. Fehlen bereits Fachkräfte auf Gesellenniveau, wird dadurch auch die potenzielle Gruppe künftiger Meister kleiner. Der Fachkräftemangel kann sich somit entlang der gesamten Qualifikationskette fortsetzen. Die Studie betont zudem, dass Engpässe nicht nur die Ausbildung betreffen, sondern auch die Nachwuchsplanung für Führungskräfte erschweren.

Für die Hörakustik bedeutet das: Fachkräftesicherung kann sich nicht allein auf die Besetzung aktuell offener Stellen richten. Auch die langfristige Entwicklung qualifizierter Mitarbeiter und künftiger Führungskräfte gewinnt an Bedeutung.

Ausbildung als Engpassfaktor im Handwerk: Warum immer mehr Lehrstellen unbesetzt bleiben

Die Ausbildung bleibt eine zentrale Grundlage für die Fachkräftesicherung im Handwerk. Gleichzeitig ist es für viele Betriebe schwieriger geworden, angebotene Ausbildungsplätze tatsächlich zu besetzen. Zwischen 2011 und 2025 sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Handwerksberufen von gut 150.000 auf rund 133.000. Gleichzeitig stieg die Zahl der zum 30. September unbesetzten Ausbildungsplätze von gut 5.000 auf fast 22.000. Ausbildungsplätze werden also weiterhin angeboten, erreichen aber immer häufiger keinen passenden Bewerber.

Die Studie warnt allerdings vor einer zu einfachen Interpretation: Die wachsende Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze sei nicht automatisch ein Beleg dafür, dass junge Menschen kein Interesse am Handwerk hätten. Demografische Entwicklungen, regionale Unterschiede und sogenannte Passungsprobleme spielen ebenfalls eine Rolle. Dafür spricht, dass zuletzt sowohl die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze als auch die Zahl unversorgter Bewerber gestiegen ist.

Besonders relevant für die Zielgruppe ist der Befund zu „Krisen“-Berufen: Die Studie nennt ausdrücklich die Augenoptik (neben Metallbau sowie Holz-/Möbel-/Innenausbau) als Berufe, in denen trotz anhaltendem Fachkräftemangel Ausbildungsplatzangebot, -nachfrage und neu abgeschlossene Verträge rückläufig sind. Das unterstreicht, warum Betriebe der Hörakustik und verwandter Optik-Bereiche ihre Ausbildungsstrategie und Nachwuchsgewinnung neu denken müssen.

Was die Entwicklung für die Hörakustik bedeutet: Warum Engpassberufe bei Ausbildung und Nachfrage besser dastehen

Für die langfristige Fachkräftesicherung ist der Blick auf Handwerksberufe mit dauerhaften Engpässen aufschlussreich. In den 35 Handwerksberufen, die seit 2016 durchgehend von Fachkräfteengpässen betroffen waren, entwickelten sich Ausbildungsplatzangebot und Ausbildungsplatznachfrage bis 2025 tendenziell positiv. Gegenüber 2016 stieg das Ausbildungsplatzangebot um 5,7 Prozent, die Ausbildungsplatznachfrage um 8,4 Prozent. In den 34 Handwerksberufen, die seit 2016 zu keinem Zeitpunkt von Fachkräfteengpässen betroffen waren, gingen beide Größen zurück: Das Ausbildungsplatzangebot lag 2025 um 13,9 Prozent und die Ausbildungsplatznachfrage um 4,9 Prozent unter dem Niveau von 2016. Die Studie kommt deshalb zu dem Schluss, dass der Fachkräftemangel in vielen Engpassberufen nicht in erster Linie auf ein fehlendes Interesse junger Menschen zurückzuführen ist. Bewerber orientieren sich offenbar an den Beschäftigungs- und Karrierechancen. Gleichzeitig können wachsende Personalbedarfe oder Schwierigkeiten dabei, Betriebe und Bewerber zusammenzubringen, den Fachkräftemangel verstärken.

Für die Hörakustik lässt sich daraus vor allem eine strategische Frage ableiten: Wie gelingt es Betrieben, die vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten sichtbar zu machen und Interessenten langfristig für den Beruf zu gewinnen? Die Studie liefert hierzu keine branchenspezifischen Kennzahlen für die Hörakustik. Sie zeigt jedoch, welche Faktoren bei der Fachkräftesicherung im Gesundheitshandwerk grundsätzlich eine Rolle spielen.

Fachkräftegewinnung braucht mehr als zusätzliche Ausbildungsplätze: So können Hörakustik-Betriebe mit Ausbildungsmarketing, Quereinsteigern & internationalen Fachkräften punkten

Die KOFA-Analyse macht deutlich, dass zusätzliche Ausbildungsplätze allein nicht automatisch zu mehr Fachkräften führen. Entscheidend ist auch, ob Betriebe geeignete Bewerber erreichen, Auszubildende während der Ausbildung begleiten und Mitarbeiter anschließend im Unternehmen halten. Als mögliche Ansätze nennt das KOFA ein professionelles Ausbildungsmarketing und eine stärkere Nutzung von Angeboten zur Berufsorientierung. Darüber hinaus können Betriebe zusätzliche Zielgruppen erschließen und beispielsweise Frauen, Studienabbrecher, Zugewanderte oder Quereinsteiger gezielter ansprechen. Auch internationale Auszubildende und Fachkräfte können Teil einer langfristigen Personalstrategie sein.

Für kleinere und mittlere Hörakustikbetriebe kann zudem die regionale Situation entscheidend sein. Wenn Ausbildungsinteressierte und Betriebe räumlich nur schwer zusammenfinden, nennt die Studie eine bessere Unterstützung der Mobilität von Auszubildenden als möglichen Ansatz. Dazu zählen etwa die Förderung von Wohnheimen oder Mobilitätshilfen, ähnlich wie sie für Studierende bestehen.

Demografischer Wandel erhöht den Bedarf an Fachkräften im Gesundheitshandwerk

Der Fachkräftemangel im Gesundheitshandwerk trifft auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die den Bedarf an Gesundheitsleistungen und Hilfsmitteln weiter beeinflussen dürfte. Die Studie verweist ausdrücklich auf die steigende Zahl älterer Menschen und den damit wachsenden Bedarf an Hilfsmitteln. Für Hörakustikbetriebe ist dieser Zusammenhang besonders relevant. Die Studie beschreibt das Gesundheitshandwerk als Bereich mit erheblichen Personalengpässen und führt Optik- und Akustikmeister innerhalb der Berufsgruppe „Aufsicht – Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik“. Die Studie weist jedoch weder eine gesonderte Fachkräftelücke für den Ausbildungsberuf Hörakustiker noch eine separate Kennzahl für Hörakustikmeister aus. Ihre Aussagen zum Gesundheitshandwerk beziehen sich auf Berufsgruppen der Klassifikation der Bundesagentur für Arbeit. Eine unmittelbare Übertragung der Fachkräftelücke von 1.344 Personen oder der Stellenüberhangsquote von 82,1 Prozent auf die Hörakustik wäre deshalb nicht sachgerecht.

Fest steht dennoch: Die Fachkräftesicherung wird im Gesundheitshandwerk zu einer langfristigen Aufgabe. Betriebe müssen nicht nur offene Stellen besetzen, sondern auch ausreichend qualifizierten Nachwuchs gewinnen, Beschäftigte weiterentwickeln und Fachkräfte langfristig binden.

Die aktuelle KOFA-Studie zeigt, dass der Fachkräftemangel im Handwerk trotz schwächerer Konjunktur erheblich bleibt und auch das Gesundheitshandwerk betrifft. Sie macht zudem deutlich, dass sich Engpässe entlang der beruflichen Qualifikationskette fortsetzen können – von Gesellen über Meister bis zu weiteren Fortbildungsabschlüssen. Für Hörakustikbetriebe folgt daraus: Fachkräftesicherung sollte nicht erst bei einer unbesetzten Stelle beginnen. Ausbildung, Nachwuchsgewinnung, Weiterbildung und Mitarbeiterbindung gehören zusammen. Welche spezifischen Entwicklungen bei Hörakustikern und Hörakustikmeistern bestehen, lässt sich aus der vorliegenden Studie jedoch nicht ableiten. Dafür wären branchenspezifische Daten erforderlich, da die Studie Optik- und Akustikmeister gemeinsam mit weiteren Berufen in der BA-Berufsgruppe „Aufsicht – Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik“ auswertet.

Studie: Malin, Lydia, unter Mitwirkung von Küçükyavuz, Yasin, 2026, Fachkräftesicherung im Handwerk: Ausbildung zwischen Krise und Renaissance, Studie im Rahmen des Projektes Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), Köln