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Fraunhofer-Projekt zur Hörgeräte-Selbstanpassung bei HörWerk eingereicht

Hörforschung und Handwerk vereinen – das ist die Idee der HörWerk Innovationscommunity. Das Netzwerk rief vor kurzem zur Einreichung von Projektvorschlägen auf, und das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT hat darauf hin ein ambitioniertes Projekt eingereicht: Die praxisnahe Weiterentwicklung von Selbstanpassungsfunktionen im Hörakustikalltag. Harald Schorr, Abteilungsleiter Hörakustik bei Obsidian, wäre mit dabei, sollte das Projekt von der HörWerk-Community ausgewählt werden: “Ich sehe viel Potenzial, weil es am Ende doch darum geht, unsere Kunden an der Anpassung teilhaben zu lassen, die Anzahl der Anpassungssitzungen zu reduzieren und gleichzeitig die Zufriedenheit und die Identifikation unserer Kunden mit ihren Hörsystemen zu steigern”. So die Theorie, was wie Praxis dann tatsächlich aussieht und wie solche Funktionen bei den Kunden ankommen, soll das Projekt objektiv zeigen.

Die Innovationscommunity “HörWerk” – ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Hörtechnik und Audiologie der Jade Hochschule und der Europäischen Union der Hörakustiker e.V. (EUHA e.V.) – wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der DATIpilot-Förderrichtlinie des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt letztes Jahr zur Förderung ausgewählt. Die 4,7 Millionen Euro Fördergeld sollen dazu dienen, die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Handwerk zu fördern und die Entwicklung neuer Technologien und Versorgungskonzepte voranzutreiben. Die Initiatoren aus der Branche sind Melanie Krüger, Inga Holube und Beate Gromke.

Durch die Vernetzung von Hörakustikern und Wissenschaftlern sollen also praxisorientierte Innovationen entwickelt werden, um die derzeitige Versorgungsrate von nur 40 % bei Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen zu erhöhen, die Abbrecherquote zu reduzieren und die Zufriedenheit der Hörsystemträger zu steigern.

Projekt für Projekt – Innovationen in der Versorgung

Die HörWerk Innovationscommunity unterscheidet bei ihren Förderoptionen in zwei Projektarten und Fördersummen: Kleine Projekte haben eine Laufzeit von maximal 18 Monaten und einem maximalem Budget von 150.000 Euro, große hingegen von maximal zweieinhalb Jahren und einem Budget von maximal 500.000 Euro. Communityprojekte können jederzeit eingereicht werden, die Deadline für die Berücksichtigung bei der nächsten Begutachtung ist der letzte Tag des Quartals. Die Auswahl der jeweiligen Projekte nehmen der Lenkungsausschuss sowie die Community selbst vor. Letztere kann für die eingereichten Projekte abstimmen.

Optimierung durch Selbstanpassung von Hörsystemen

Eine dieser Projekteinreichungen ist nun also die des Fraunhofer-Instituts IDMT. Es soll sich der Erforschung und Optimierung von Selbstanpassungsfunktionen bei Hörsystemen widmen.

Mit welchen Anwendungen und Apps das Fraunhofer Institut konkret arbeiten möchte, ist derzeit noch unklar. Anzunehmen ist allerdings, dass die Apps von Signia (Signia Assistant), Widex (Widex MySound) und Starkey (My Starkey App mit dem neuen Edge Modus +) eine Rolle dabei spielen werden.

Seit 1991 in der Branche kennt Harald Schorr von Obsidian in Rathenow zweifelsohne nahezu alle Facetten einer Hörgeräte-Anpassung

Auf die Frage, warum Harald Schorr sich bei diesem Projekt beteiligen möchte, antwortete er uns: „Mir ist wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben und die Zukunft unserer Branche aktiv mitzugestalten. Dabei reizt mich besonders, dass man nicht nur zuschaut, sondern selbst Teil des Geschehens ist. Besonders spannend finde ich, wie hier Forschung und Praxis konkret zusammengeführt werden – das bringt echten Mehrwert für unsere tägliche Arbeit.”

Tiefe Einblicke in den „Groben Arbeits- und Zeitplan“

Das eingereichte Vorhaben gliedere sich unterschiedliche Arbeitspakete, die eine kohärente und praxisnahe Implementierung der Selbstanpassungsmethoden gewährleisten: Forschung, Dokumentation und praktische Umsetzung werden so miteinander verknüpft.

Recherche und Dokumentation bestehender Selbstanpassungsfunktionen

Den Auftakt bilde eine Bestandsaufnahme: Das Fraunhofer IDMT HSA analysierte hierfür bestehende Selbstanpassungsfunktionen. Parallel dazu würden Hörakustikerinnen aktuelle Hörgeräte bereitstellen und wertvollen Praxisinput zu gefragten Funktionen und Erfahrungen liefern. Auch Kundenfeedbacks gilt es zu dokumentieren. Ziel sei es, eine Grundlage für die vertiefte Testung praxisrelevanter Funktionen zu schaffen.

Identifikation geeigneter Signale & Wiedergabemöglichkeiten

In diesem Paket stünde die Kernfrage der Anpassung im Fokus: Fraunhofer IDMT HSA würde Testsignale auswählen. Die Hörakustiker würden diese Signale in realen Beratungssituationen testen und Feedback zu Handhabbarkeit und Kundenzufriedenheit geben. Diese enge Zusammenarbeit soll in der Identifizierung optimaler Ergebnisse münden.

“Wir können unsere Idee umsetzen, sie gemeinsam mit Kollegen und Wissenschaftlern erörtern und anschließend umsetzen. Ich versprechen wir daraus auch neue Perspektiven und Inspirationen. Auch hier ist mir der Austausch mit meinen Berufskollegen und Wissenschaftlern extrem wichtig” führt Schorr fort.

Erprobung der Selbstanpassungsfunktionen in der Praxis

Das umfangreichste Paket widme sich der praktischen Erprobung. Fraunhofer IDMT HSA würde Systeme bei teilnehmenden Hörakustikern einrichten und Versuche mit Probanden begleiten. Die Hörakustiker würden die Selbstanpassungen direkt mit Testkunden umsetzen und Daten vor Ort erheben. Ihr direktes Feedback zur Effizienzverbesserung im Kundenkontakt wäre hier entscheidend. Auch akustische Auswertungen und die Erstellung eines Leitfadens für die Branche seien vorgesehen.

“Das wäre das erste Mal, dass systematisch und übergreifend Daten über die Effektivität gesammelt würden. Wenn ich im Rahmen meiner und der Arbeit meiner Kollegen dazu beitragen kann, dieses doch immer wieder viel diskutierte Thema der Selbstanpassung mit all seinen Facetten praktisch und wissenschaftlich zu beurteilen, dann ist dieses Projekt sicher ein wertvoller Impuls” sagt Harald Schorr.

Der Weg zur Förderung: Was nun bei HörWerk geschieht

Nach der formalen Prüfung werden alle eingereichten Projekte auf der Communityplattform von HörWerk veröffentlicht und den Mitgliedern zur Bewertung und Abstimmung präsentiert. Zeitgleich werden die Projektskizzen dem Lenkungsausschuss von HörWerk zur Verfügung gestellt. Communitymitglieder und Lenkungsausschuss hätten dann 14 Tage Zeit für die Bewertung. Vier bis sechs Wochen nach Ende des Quartals, in dem die Einreichung erfolgte, findet die digitale Lenkungsausschusssitzung statt, in der die Projekte zur Förderung ausgewählt würden. Erst nach einem positiven Votum wird dann ein Vollantrag beim Projektträger eingereicht.

Zusammengefasst können Selbstanpassungsapps ein neues, flexibleres Verhältnis zwischen Kunde und Hörakustiker ermöglichen. Sie fördern eine partnerschaftliche Versorgung auf Augenhöhe, bei der Technik und individuelle Betreuung optimal zusammenspielen. Die Integration moderner App-Lösungen in die Beratung unterstreicht zudem die Fachkompetenz des Hörakustikers und signalisiert eine zeitgemäße, kundenorientierte Versorgung. Wer diese Möglichkeiten nutzt, kann also durchaus von zufriedeneren, engagierteren Kunden und einer insgesamt moderneren, effizienteren Hörakustik profitieren.