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Hilfsmittelversorgung unter Druck: biha warnt vor Reformplänen der Krankenkassen

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Hilfsmittel steigen weiter. Mit 12,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr lagen sie um 4,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der GKV-Spitzenverband macht dafür vor allem das Verhalten der Leistungserbringer verantwortlich. Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) weist diese Darstellung zurück und warnt vor Risiken für die Versorgungsqualität und die wirtschaftliche Grundlage der Branche.

biha warnt vor Reformplänen der Krankenkassen
Bild: © biha

Wer ist schuld an der Kostenexplosion in der Hilfsmittelversorgung?

Aus Sicht der Krankenkassen stehen die Leistungserbringer im Zentrum der Kostenentwicklung. Dazu zählen auch Hörakustiker, die Kunden mit individuell angepassten Hörsystemen versorgen. Die biha hält diese Sichtweise jedoch für zu kurz gegriffen und verweist auf strukturelle Faktoren, die ebenfalls zur Kostenentwicklung beitragen könnten.

Biha-Präsident Eberhard Schmidt kritisiert zudem die Struktur des Systems. Es sei schwer nachvollziehbar, warum nahezu 100 gesetzliche Krankenkassen parallel vergleichbare Aufgaben erfüllten. Mit dieser Kritik verweist die Innung auf mögliche Effizienzreserven im Verwaltungsbereich.

KO-Ausschreibungen zurück: Gefahr für Hörgeräte-Qualität?

Besonders kritisch sieht die biha die Diskussion über eine Wiedereinführung von KO-Ausschreibungen. Nach Ansicht der Innung hätten solche Vergabeverfahren in der Vergangenheit nicht zu mehr Wettbewerb, sondern zu Qualitätsverlusten geführt. In der Hörakustik sei eine reine Preisorientierung problematisch, weil Hörsysteme individuell angepasst werden müssten und einen hohen Beratungsaufwand erforderten.

Im Gesundheitsbereich, wie bei Hörgeräten oder anderen Hilfsmitteln, dienen KO-Ausschreibungen Krankenkassen dazu, Leistungen günstig einzukaufen – oft mit starkem Fokus auf den niedrigsten Preis. Die biha kritisiert genau das: Solche Verfahren ignoriere den individuellen Beratungsaufwand und führe zu Qualitätsverlusten, statt echten Wettbewerb zu fördern.

Bündeln Krankenkassen selbst die Marktmacht?

Auch die mögliche Einschränkung der Vertragshoheit von Leistungserbringern sorgt für Kritik. Die biha warnt davor, dass Zusammenschlüsse von Verbänden und Leistungsgemeinschaften den Markt beeinflussen könnten, sieht jedoch zugleich eine erhebliche Marktmacht aufseiten der Krankenkassen. Mittelständische Betriebe könnten dadurch benachteiligt werden.

Festbeträge als Höchstpreise: Marktpreis oder willkürliche Kalkulation der GKV?

Auch die Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit stoßen bei der biha auf Ablehnung. Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Kommission hat 66 Vorschläge zur Stabilisierung der Beitragssätze ab 2027 vorgelegt. Ein zentraler Punkt betrifft die Weiterentwicklung der Festbetragsregelung.

Festbeträge definieren die Höchstpreise, die Krankenkassen für bestimmte Hilfsmittel erstatten. Nach den Plänen der Kommission sollen die Kassen diese Beträge weiterhin selbst kalkulieren. Die biha hält das für problematisch und fordert eine Vergütung, die den tatsächlichen Versorgungsaufwand besser abbildet.

Alternde Gesellschaft und Hilfsmittelreform: Drohen Einbußen bei der Versorgungsqualität?

Viele Hörakustiker warnen vor Folgen für die Versorgungsqualität, falls Ausschreibungen wieder stärker zum Einsatz kommen. Nach ihrer Einschätzung würde eine starke Preisfokussierung die Qualität der Versorgung gefährden. Gerade in einem alternden Gemeinwesen steige jedoch der Bedarf an hochwertigen Hilfsmitteln.

Die biha fordert deshalb, Einsparmaßnahmen nicht zulasten der Versorgung umzusetzen. Aus Sicht der Innung muss die Qualität der Hilfsmittelversorgung bei allen Reformüberlegungen im Vordergrund stehen.

Die Debatte zeigt fundamentale Spannungen im Gesundheitssystem: Kostendämpfung versus Versorgungsqualität. Ob die Reformpläne umgesetzt werden, bleibt offen – die biha-Kritik wird die politische Diskussion weiter prägen.

Pressemitteilungen:

biha kritisiert GKV-Spitzenverband
FinanzKommission Gesundheit / biha: Keine Einschnitte bei der Qualität der Versorgung! | Presseportal

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