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Hörakustik-Nachwuchs: die Gen Z und ihre Herausforderungen

Das Hörakustik-Unternehmen auric hat sein Recruiting in den letzten Monaten grundlegend modernisiert: Mit neuem Claim, neuem Maskottchen und dem neuaufgezogenen Portal jobs-akustiker.de. Geschäftsführer Jan Feldeisen beschreibt den Wandel als notwendig, um auf die veränderten Erwartungen junger Fachkräfte zu reagieren – im Gespräch erzählte er von der Motivation, der Umsetzung und von den messbaren Erfolgen der neuen Kampagne.

Hörakustik-Nachwuchs die Gen Z und ihre Herausforderungen
Jan Feldeisen, Geschäftsführer von auric, hat mit uns über die Chancen und Herausforderungen bei der Mitarbeitersuche gesprochen.

30 Prozent mehr Bewerber: Die neue Job-Kampagne von auric

„Früher haben wir Standardtexte in der Sie‑Form verwendet, aufgelistet, was ein Bewerber mitbringen muss. Das war eher formell – und hat vor allem die klassische Zielgruppe erreicht“, so Jan Feldeisen. In Zusammenarbeit mit der Agentur Westpress wurde daher nicht nur die Sprache angepasst – von Sie auf Du – sondern auch der gesamte Arbeitgeberauftritt überarbeitet. „Wir sind zwar eine große Kette, aber nach wie vor familiengeführt. Das sollte unbedingt sichtbar werden.“ Allein diese Änderungen zeigten schnelle Wirkung: Innerhalb von drei Monaten konnte auric einen deutlich größeren Bewerberpool aufbauen. „Tatsächlich gehen seitdem ca. 30 Prozent mehr Bewerbungen ein“, berichtet Feldeisen.

Bewerbung über Instagram, Snapchat oder TikTok

Ein zentraler Punkt: Junge Bewerber erreichen auric heute über digitale Kanäle, nicht mehr über Zeitungsanzeigen oder klassische Online-Portale. „Wenn man junge Hörakustikerinnen und Hörakustiker erreichen will, muss man sie dort abholen, wo sie sowieso sind – Instagram, Snapchat oder TikTok“, erklärt Feldeisen. auric hat darauf reagiert, indem die Kampagne kanalübergreifend ausgerichtet wurde – inklusive der eigenen Jobbörse jobs-akustiker.de und einem sympathischen Maskottchen, Ohrlaf, das die Kommunikation spielerisch ergänzt.

Auric Hörakustiker Suche gehör dazu

„Die jungen Bewerber wollen keine 40-Stunden-Woche mehr.“

Doch es geht nicht nur um neue Kanäle. Eine Herausforderung seien auch die veränderten Erwartungen: „Freie Zeit ist das Gut schlechthin. Die jungen Bewerber wollen keine 40-Stunden-Woche mehr, eher 36, manche sogar nur 30 Stunden bei gleichem Gehalt“, so Feldeisen. Was bei der Ausbildung noch unverhandelbar ist, gilt spätestens nach dem Abschluss als Schlüssel, um junge Talente zu gewinnen.

Mit Homeoffice-Optionen, abendlichen Online-Anpassungen oder Samstags-Servicezeiten zählt Feldeisen Beispiele für mögliche Modelle auf: Das eröffne neue Gestaltungsspielräume und erhöhe gleichzeitig die Kundenbindung. Immerhin würden es die technischen Möglichkeiten hergeben. „Viele junge Leute finden es spannend, wenn sie hören, dass sie Kunden remote von zu Hause aus betreuen können. Das ist modern und macht den Beruf attraktiv.“

Junge Hörakustiker sind kreativer

Die Zeiten haben sich eben geändert: „Die junge Generation ist vielleicht nicht mehr so regelkonform, aber dafür kreativer“. Während ältere Bewerber oft noch klassische Bewerbungsunterlagen einreichen, setzen die jungen Talente häufig auf unkonventionelle Formate – von einem Einseiter mit Urlaubsfoto bis hin zu ungewöhnlichen Einreichungen über Social Media war alles dabei. Gleichzeitig bemerkt Feldeisen aber auch: „Die Verbindlichkeit hat abgenommen. Es kommt vor, dass Bewerber nicht auf Nachfragen reagieren oder gar nicht zum Arbeitsbeginn erscheinen. Das ist gesellschaftlich bedingt, darauf müssen wir unsere Prozesse anpassen.“

Nicht nur deshalb nutzt auric bewusst die Möglichkeiten, die ihm als familiengeführtes Unternehmen zur Verfügung stehen: „Wir haben zum Glück keine starren Vorgaben von Aktionären und können uns deshalb eine Arbeitskultur ohne Verkaufsdruck leisten.“ Es wird gemeinsam an strategischen Entscheidungen gearbeitet – wenn es in einer Filiale hakt, können dann zum Beispiel auch Öffnungszeiten angepasst, individuelle Marketingkampagnen geschaltet oder sogar der Standort verlegt werden. „Wenn etwas nicht gut läuft, überlegen wir gemeinsam, wie wir das lösen können. Das stärkt die Mitarbeitermotivation und das Teamgefühl.“

Zukunft der Hörakustik: Beratung und Bedarfsanalyse wird immer wichtiger

Flexibilität ist also ein Stichwort, wenn es um den modernen Hörakustik-Beruf geht – aber es müsse sich auch in der inhaltlichen Ausrichtung noch einiges ändern, sagt Jan Feldeisen. Seiner Meinung nach sollte der klassische Handwerksanteil – wie die Ohrabdrucknahme – weiterhin bestehen bleiben, aber viele Aufgaben müssten auch digitalisiert oder automatisiert werden. „Fräsen, das braucht heute niemand mehr. Viel wichtiger wird zukünftig die Bedarfsanalyse und Beratungskompetenz sein, gerade weil die Zuzahlungen bei Hörgeräten sinken.“ Nur wer die Kunden optimal berät, kann ihre Bedürfnisse passgenau erkennen, Verkäufe gezielt steuern und gleichzeitig eine starke Kundenbindung aufbauen.

Feldeisen fasst zusammen, was auric als Arbeitgeber auszeichnet: „Wir bieten unseren Mitarbeitenden Gestaltungsspielraum, Flexibilität und echte Wertschätzung. Das macht uns hörbar anders und besonders attraktiv für die nächste Generation von Hörakustikern.“ auric zeigt damit, dass modernes Employer Branding weit mehr ist als Marketing: Es ist ein Spiegel dessen, was junge Talente heute wirklich wollen – Authentizität, Perspektive, Flexibilität und ein Arbeitsumfeld, in dem sie sich entfalten können.

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