Der Konkurs der Schweizer Hörakustik- und Optikkette Misenso markiert das vorläufige Ende eines ambitionierten Expansionsprojekts. Die ehemalige Migros-Tochter, die erst 2024 von der österreichischen Neuroth-Gruppe übernommen worden war, hat den Geschäftsbetrieb eingestellt. Das gesamte verbliebene Netz aus 18 Filialen muss aufgelöst werden. Rund 140 Beschäftigte müssen nun den Verlust ihres Arbeitsplatzes in Kauf nehmen.

Misenso-Konkurs beendet ehrgeizige Wachstumsstrategie im Hörakustik-Markt
Wie die Neuroth-Gruppe bestätigte, sei die Misenso AG überschuldet gewesen. Der Konkurs sei deshalb unvermeidbar geworden. Der Fall liegt inzwischen beim Konkursamt Zürich, das nun die weitere Abwicklung übernimmt.
Bereits am Tag der Bekanntgabe blieben sämtliche Fachgeschäfte geschlossen. Kunden fanden an den Eingängen lediglich den Hinweis, dass die Filialen bis auf Weiteres geschlossen seien. Auch der Kundendienst stellte den Betrieb ein. Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner sollen bereits über den Schritt informiert worden sein.
Ursprünglich ging Misenso um das Jahr 2020 als hundertprozentige Migros-Tochter an den Start und kombinierte Hörakustik mit Augenoptik in einem gemeinsamen Filialkonzept. Die meisten Standorte befanden sich in Migros-Märkten. Trotz der starken Bekanntheit der Muttergesellschaft gelang es dem Unternehmen jedoch nie, profitabel zu arbeiten. Nach Angaben der Neuroth-Gruppe schrieb Misenso seit der Gründung ausschließlich Verluste.
Warum scheiterte Misenso trotz Neuroth-Übernahme?
Mit der Übernahme im Juni 2024 verband die Neuroth-Gruppe große Erwartungen. Der österreichische Hörakustikspezialist wollte Misenso als eigenständige Marke weiterentwickeln und das Filialnetz deutlich ausbauen. Nach der Übernahme wuchs das Unternehmen zunächst von 25 auf 29 Standorte. Anfang 2025 hatte Neuroth sogar angekündigt, langfristig zwischen 40 und 50 Filialen in der Schweiz betreiben zu wollen.
Die wirtschaftliche Realität entwickelte sich jedoch anders. Bereits im Herbst 2025 schloss Misenso elf Standorte. Damals begründete das Unternehmen den Schritt mit anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen. Rund 63 Mitarbeitende verloren bereits zu diesem Zeitpunkt ihren Arbeitsplatz.
Wie es nun heißt, hätten weder strategische Neuausrichtungen noch Veränderungen im operativen Management oder die Verkleinerung des Filialnetzes die finanzielle Situation nachhaltig verbessern können. Laut Unternehmensangaben sei es trotz umfangreicher Maßnahmen nicht gelungen, Misenso in die Gewinnzone zu führen.
140 Mitarbeitende betroffen: Folgen des Misenso-Insolvenz für Hörakustik-Fachkräfte
Mit der vollständigen Betriebseinstellung verlieren nun rund 140 Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz. Zu den konkreten arbeitsrechtlichen Folgen äußerte sich die Neuroth-Gruppe zunächst nicht. Auch zur weiteren Betreuung von Kunden mit laufenden Hörgeräteversorgungen oder Serviceverträgen lagen zunächst keine detaillierten Informationen vor.
Nach Angaben des Mutterkonzerns soll der Konkurs ausschließlich die Misenso AG betreffen. Auf die übrigen Gesellschaften der Neuroth-Gruppe habe das Verfahren keine Auswirkungen.
Was der Misenso-Konkurs für den Schweizer Hörakustikmarkt bedeutet
Der Fall Misenso zeigt, dass selbst etablierte Handelsstandorte und eine bekannte Marke keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg darstellen. Gerade die Kombination aus Hörakustik und Augenoptik galt lange als vielversprechendes Konzept, um Kundenfrequenz und Synergien zu erhöhen. Im Fall Misenso reichte dieses Geschäftsmodell jedoch offenbar nicht aus, um dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Für den Schweizer Hörakustikmarkt bedeutet der Rückzug zugleich eine deutliche Konsolidierung. Innerhalb weniger Monate verschwindet ein Filialnetz mit zuletzt 18 Standorten vollständig vom Markt. Wettbewerber dürften kurzfristig von frei werdenden Kunden und Fachkräften profitieren. Gleichzeitig unterstreicht der Konkurs den anhaltenden wirtschaftlichen Druck, unter dem sich viele Filialunternehmen im Gesundheitsfachhandel befinden.
Der Konkurs von Misenso beendet ein Kapitel, das mit ehrgeizigen Expansionszielen begonnen hatte und nun in der vollständigen Schließung aller Standorte endet. Trotz der Übernahme durch die Neuroth-Gruppe, strategischer Anpassungen und umfangreicher Investitionen gelang es nicht, das Unternehmen dauerhaft wirtschaftlich zu stabilisieren. Für die Hörakustikbranche ist der Fall ein deutliches Signal, dass nachhaltiger Erfolg nicht allein von Größe und Expansion abhängt, sondern vor allem von einem tragfähigen Geschäftsmodell und langfristiger Profitabilität.
Mehr dazu: Misenso meldet Konkurs an: Ex-Migros-Tochter schließt alle Filialen in der Schweiz
Zur Pressemitteilung: Die Misenso AG hat ihren Geschäftsbetrieb eingestellt.








