„Handwerk tut gut“ – unter diesem Motto feiert das Handwerk am 20. September 2025 seinen jährlichen Aktionstag. Dahinter steckt mehr als ein flotter Slogan: Eine neue Studie zeigt, dass 84,9 Prozent der Handwerker ihre Gesundheit als gut oder sehr gut bewerten – weit mehr als die knapp 70 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Für ZDH-Präsident Jörg Dittrich ist das ein Beleg dafür, dass Handwerk nicht nur gesellschaftlich relevant, sondern auch individuell erfüllend ist.

Über eine Million Handwerksbetriebe – Hörakustik als Hightech-Handwerk
Hinter den Kampagnenbildern des ZDH stehen harte Zahlen: Von Bäckerei bis Bau 1,038 Millionen Betriebe, 5,6 Millionen Beschäftigte (zum Vergleich: 2024 waren in der Automobilindustrie ohne Zuliefererindustrie rund 773 000 Menschen beschäftigt). Das Spektrum im Handwerk reicht bekanntermaßen von traditionellen Gewerken bis hin zu hochspezialisierten Branchen. Besonders die Hörakustik ist ein Paradebeispiel dafür, wie Handwerk Wohlbefinden schafft – mit 7.300 Fachbetrieben und fast 19.600 Beschäftigten. Hörakustiker geben Menschen mit Hörverlust Teilhabe zurück und sind damit ein Schlüsselsegment der Gesundheitshandwerke.
Eng verbunden ist die Branche mit der Augenoptik. Mit 11.000 Betrieben und knapp 48.000 Beschäftigten sorgt auch sie für Lebensqualität. Viele Mischbetriebe zeigen, dass beide Gewerke zusammengehören und von ähnlichen Herausforderungen geprägt sind.
Handwerk zwischen Wohlfühlfaktor und harten Realitäten
Wenn der ZDH davon spricht, dass Handwerk guttut, trifft das in vielen Fällen zu. Gerade in den Gesundheitsgewerken wird jedoch schnell klar: Wohlbefinden ist mehr als Zufriedenheit am Ende des Arbeitstags. In Hörakustik und Augenoptik hängt es entscheidend von den Menschen ab, die täglich beraten, versorgen und anpassen.
Doch genau hier liegt die Herausforderung: Die Branche kämpft massiv mit Fachkräftemangel. Wer seine Mitarbeiter nicht langfristig hält, fördert und motiviert, wird es künftig schwer haben. Flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung, faire Ausbildungsvergütung und eine echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind längst keine Schlagworte mehr, sondern entscheidende Faktoren, um die Berufe attraktiv zu halten.
Wohlbefinden trifft Realität
So sehr das Handwerk stolz auf seine positiven Gesundheitswerte sein kann – die Realität im Alltag sieht oft anders aus. Das zeigt auch der Branchenreport der Gesundheitshandwerke 2025, der im April vorgestellt wurde. Die Hörakustikbetriebe sehen sich neben dem Fachkräftemangel mit einer massiven Bürokratielast konfrontiert. Leistungserbringer würden zu „Erfüllungsgehilfen eines Bürokratiemonsters“ degradiert, heißt es. Besonders die Anforderungen der gesetzlichen Krankenversicherungen gelten vielen als überzogen und wenig praxisnah, da sie die Akustiker zu reinen Erfüllungsgehilfen degradieren, ohne erkennbaren Mehrwert für Versicherte oder Kassen zu schaffen. Ein Beispiel ist das verpflichtende Präqualifizierungsverfahren, das alle 20 Monate teure und zeitaufwendige Betriebsbegehungen vorschreibt – eine Vorgabe, die weder für Arztpraxen noch für Apotheken existiert. Diese Belastungen binden Ressourcen, die eigentlich in die Versorgung der Patienten fließen sollten. Weitere Beispiele sind Aufwände und teils Unklarheit zur Abklärung von Folgeversorgungen mit den Krankenkassen.
Blick zur Augenoptik
Auch in der Augenoptik ist der Fachkräftemangel omnipräsent. 41 Prozent der Betriebe haben in den letzten Monaten nach Fachpersonal gesucht, nur ein Drittel konnte die Stellen wie geplant besetzen. Gleichzeitig kämpfen viele mit Bürokratie und Kosten – sei es durch Präqualifizierungspflichten oder Abrechnungsprozesse. Für beide Gewerke gilt: Wer Wohlbefinden sichern will, braucht bessere Rahmenbedingungen.
Tag des Handwerks als Chance und Mahnung
Der Tag des Handwerks 2025 zeigt, wie stark die Arbeit im Handwerk zum Wohlbefinden beiträgt. Für die Hörakustik ist das eine Bestätigung – und zugleich ein Weckruf. Denn Wohlbefinden entsteht nicht nur durch den Stolz auf die Arbeit, sondern auch durch faire Rahmenbedingungen. Fachkräftesicherung, weniger Bürokratie und attraktive Ausbildungswege sind die eigentlichen Stellschrauben. Nur so wird das Motto „Handwerk tut gut“ mehr als eine Kampagnenzeile – nämlich gelebte Realität.







