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Cochlea-Implantate: Wie Hirnbildgebung den Erfolg der Behandlung vorhersagen könnte

Bei Menschen mit schwerer bis hochgradiger Hörminderung können Cochlea-Implantate den Zugang zu akustischen Signalen wiederherstellen und dadurch Kommunikation sowie Lebensqualität deutlich verbessern. Die individuellen Ergebnisse fallen jedoch sehr unterschiedlich aus und bislang gibt es keine verlässliche Methode, um vorherzusagen, wann ein CI-Träger den größten Nutzen erwarten dürfen. Eine kürzlich abgeschlossene dreijährige Studie der University of Nebraska–Lincoln unter Leitung von Yingying Wang liefert hierzu neue Erkenntnisse.

Cochlea-Implantate: Wie Hirnbildgebung den Behandlungserfolg vorhersagen könnte
Bild: © National Cancer Institute /Unsplash

Cochlea-Implantate & Hirnscans: Was haben die Forschenden genau untersucht?

Die Forscher wollten herausfinden, warum manche Betroffene nach einem Cochlea-Implantat viel besser hören können als andere. Dafür haben sie das Gehirn von CI-Nutzern mit speziellen Kameras untersucht – darunter funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRI, ein MRT, das speziell Gehirnaktivität misst) und funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS, Infrarotlicht zur Messung der Hirnaktivität).

Konkret prüften sie, wie gut das Gehirn Hören und Sehen zusammenbringt. Die CI-Träger sahen dabei ein visuelles Signal, das den Rhythmus der Sprache zeigt („visual analog of temporal envelope“), während sie gleichzeitig über das Implantat hörten. Zusätzlich wurde geprüft, wie Alter und Hörschwellen (leiseste hörbare Lautstärke) die Verarbeitung beeinflussen.

Was zeigen die Ergebnisse der Cochlea-Implantate & Hirnscans?

Die Hirnscans vor der Operation zeigten, welche Bereiche noch fürs Hören arbeiten und ob der Hörnerv intakt ist. Das Gehirn von langjährig gehörlosen Menschen nutzt Hörregionen nämlich oft vermehrt für Sehen oder Fühlen um. Nach der Operation wurde eine Veränderung der aktiven Hirnbereiche beobachtet: Die anders genutzten Regionen passten sich Schritt für Schritt wieder ans Hören an – ähnlich wie beim Gewöhnen an eine neue Brille.

Die Studie fand heraus, dass nicht nur das Implantat selbst, sondern vor allem das Gehirn über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. CI-Träger, deren Gehirn Hör- und Sehsignale besonders gut zusammenführte, verstand Sprache später deutlich besser – besonders wenn Hintergrundgeräusche die Situation erschweren.

Weil nur 5 von 12 der Studienteilnehmer bei den Nachuntersuchungen teilnahmen, sind das nur erste (aber dennoch vielversprechende) Hinweise. In Zukunft könnten Hirnscans vor der Operation möglicherweise zeigen, wer am meisten profitiert. Gezielte Gehirntrainings vor und nach der Cochlea-Implantat-OP könnten zudem die Sprachwahrnehmung noch besser machen.​

Wie kann Hirnbildgebung die Cochlea-Implantat-Therapie verbessern?

Hirnscans könnten künftig vor der Operation klare Vorhersagen treffen: Welcher CI-Träger wird sehr gut hören, bei wem wird es schwieriger? Präoperative Trainings zur Förderung der neuronalen Plastizität könnten die Erfolgschancen deutlich steigern. Auf CI spezialisierte Hörakustiker und Ärzte bekämen so bessere Planungstools für jede Behandlung.

Nicht nur die mechanische Funktion des Implantats, sondern die Reaktionsfähigkeit des Gehirns ist entscheidend für den Erfolg. Präoperative Bewertungen und neuronale Trainings könnten künftig im Fokus stehen.

Studien: Ellsworth, C. T., et al. (2025). Age-Related Hearing Decline and Resting-State Networks. American Journal of Audiology. DOI: 10.1044/2025_aja-25-00025.

Gao, Z., et al. (2025). Visual Analog of Temporal Envelope Benefits Speech Processing in Cochlear Implant Users: A Pilot Functional Near-Infrared Spectroscopy Study on the Associations Between Audiovisual Benefit, Listening Environment, and Peripheral Neural Health. Ear & Hearing. DOI: 10.1097/aud.0000000000001709.