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Neue Studie: Kinder mit Vitiligo haben erhöhtes Risiko für Hörverlust

Vitiligo ist vielen vor allem als Hauterkrankung bekannt, die durch weiße Flecken sichtbar wird. Doch aktuelle Forschung zeigt, dass die Pigmentstörung auch andere Organsysteme betreffen kann. Eine groß angelegte US-Studie liefert nun Hinweise darauf, dass Kinder mit Vitiligo häufiger von Hörstörungen betroffen sind – insbesondere von sensorineuralem Hörverlust.

Neue Studie: Kinder mit Vitiligo haben erhöhtes Risiko für Hörverlust
Bildquelle: © cookie_studio / Freepik

Vitiligo bei Kindern – mehr als nur Hautveränderungen

Mehr als die Hälfte aller Vitiligo-Diagnosen wird bereits im Kindesalter gestellt. Bisher untersuchten Studien vor allem Erwachsene, bei denen ein Zusammenhang zwischen Vitiligo und Hörverlust beschrieben wurde. Ob auch Kinder betroffen sind, war bislang kaum bekannt.

Datenanalyse von über 21.000 jungen Patienten

Forscher des Massachusetts General Hospital in Boston analysierten die Gesundheitsdaten von 21.833 Kindern mit Vitiligo und verglichen diese mit einer gleich großen Kontrollgruppe ohne Vitiligo. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer lag bei knapp zehn Jahren.

Die Auswertung zeigte: Kinder mit Vitiligo hatten ein deutlich höheres Risiko, eine sensorineurale Schwerhörigkeit zu entwickeln (HR 1,86; 95-%-KI 1,38–2,51). Die sog. Hazard Ratio (HR) zeigt, wie stark das Risiko in einer Gruppe im Vergleich zu einer anderen erhöht oder verringert ist – Werte über 1 bedeuten ein höheres Risiko. Das 95-%-Konfidenzintervall (KI) gibt den Bereich an, in dem der wahre Wert sehr wahrscheinlich liegt und macht deutlich, wie sicher die Schätzung ist. Das bedeutet: etwa ein 86 % höheres Risiko im Vergleich zur Kontrollgruppe, mit einem Vertrauensbereich, der die Unsicherheit der Schätzung angibt. Auch gemischte Hörverluste traten häufiger auf (HR 2,10; 95-%-KI 1,29–3,44 – hier etwa doppelt so häufig wie bei Kindern ohne Vitiligo). Für Schallleitungsschwerhörigkeit ergab sich dagegen kein signifikanter Unterschied.

Hörverlust steigt mit der Krankheitsdauer

Ein besonders interessantes Ergebnis ist der zeitliche Verlauf: Im ersten Jahr nach der Diagnose war das Risiko für sensorineuralen Hörverlust nicht erhöht. Zwischen dem ersten und dritten Jahr zeigte sich jedoch ein deutlicher Anstieg (HR 2,03; 95-%-KI 1,21–3,41 – das entspricht einem etwa doppelt so hohen Risiko). Nach mehr als drei Jahren war das Risiko noch stärker (HR 2,56; 95-%-KI 1,55–4,22 – mehr als zweieinhalbfach erhöht).

Gemischter Hörverlust trat dagegen ausschließlich im ersten Jahr signifikant häufiger auf (HR 4,87; 95-%-KI 1,65–14,4 – fast fünfmal so häufig wie bei Kindern ohne Vitiligo).

Augenbeteiligung weniger klar belegt

Neben den Hörstörungen untersuchte das Forschungsteam auch mögliche Augenprobleme. Zwar traten bei Kindern mit Vitiligo häufiger Erkrankungen wie chorioretinale Entzündungen oder Netzhautablösungen auf (HR 1,56; 95-%-KI 1,06–2,31 – rund 56 % höheres Risiko), doch dieser Zusammenhang blieb in vertiefenden Analysen statistisch unsicher. Für andere Augenerkrankungen wie Trockenes Auge oder Glaukom ergab sich kein Zusammenhang.

Warum Melanozyten für das Hören wichtig sind

Die Autoren der Studie erklären die Ergebnisse mit einer immunvermittelten Schädigung von Melanozyten – Pigmentzellen, die nicht nur in der Haut, sondern auch im Innenohr vorkommen. Dort regulieren sie Ionenkanäle, die für das Hören entscheidend sind. Eine allmähliche Schädigung könnte die beobachtete Zunahme sensorineuraler Hörverluste über die Zeit erklären.

Die Studie zeigt, dass Kinder mit Vitiligo ein erhöhtes Risiko für Hörstörungen haben, das mit der Krankheitsdauer zunimmt. Für Eltern und Fachkräfte bedeutet das: Vitiligo ist nicht nur eine Hauterkrankung, sondern kann auch das Gehör betreffen. Regelmäßige Hörtests könnten daher für betroffene Kinder sinnvoll sein, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Studie zum Nachlesen: Serena Yun-Chen Tsai et al. “Auditory and Ocular Manifestations in Pediatric Vitiligo” (2025)

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