Pulsierender Tinnitus ist eine Form von Ohrgeräuschen, bei der Betroffene ein rhythmisches Rauschen im Takt des Herzschlags wahrnehmen. Diese Form des Tinnitus gehört zu den belastendsten, weil das Geräusch oft dauerhaft präsent ist und sich stark auf die Lebensqualität auswirkt. Eine Forschungsgruppe an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat mithilfe von computergestützten Simulationen einen mechanischen Zusammenhang zwischen einer Gefäßverengung im Gehirn und diesem Tinnitussyndrom hergestellt und untersucht, wie sich das störende Geräusch durch eine gezielte Gefäßstütze – einen sogenannten Stent – mindern lässt.

Mechanismus des pulssynchronen Tinnitus
Anders als der klassische Tinnitus, der vielfältige Ursachen haben kann, lässt sich der pulssynchrone Tinnitus oft auf eine körperliche Ursache zurückführen: eine Verengung der sogenannten Sinusvenen im Gehirn, insbesondere der großen Hirnvenen in der Nähe des Ohrs. An dieser Engstelle beschleunigt sich der Blutfluss, wodurch turbulente Strömungen und Wirbel entstehen, die im Gehirn als pulsierendes Geräusch wahrgenommen werden.
Computergestützte Modelle des Blutflusses, basierend auf hochauflösenden Bilddaten betroffener Patienten, zeigten, dass an der Engstelle Fließgeschwindigkeit und Druckabfall stark erhöht sind – was das Rauschen erklärt. Durch das virtuelle Einbringen eines Stents konnte nachgewiesen werden, dass sich die Hämodynamik deutlich beruhigt: Die Blutströmung wird gleichmäßiger, der Druckunterschied verringert sich, und die Wirbelbildung, die das störende Geräusch verursacht, verschwindet weitgehend.
Rotationsangiographie: Präzise Bildgebung für Tinnitus-Diagnosen
Zur Diagnose und Beurteilung des pulssynchronen Tinnitus setzen die Magdeburger Forscher auf die Rotationsangiographie. Dieses bildgebende Verfahren liefert präzise dreidimensionale Aufnahmen der Hirnvenen, welche als Grundlage für die detaillierten Strömungssimulationen dienen. Die Abbildung des Druckabfalls an der Engstelle ermöglicht es, Therapieentscheidungen fundiert zu treffen und den Nutzen einer minimalinvasiven Behandlung mit einem Stent besser abzuschätzen.
Magdeburger Studie für herausragende europäische Publikation ausgezeichnet
Die Studie des Magdeburger Teams wurde im Journal of NeuroInterventional Surgery veröffentlicht und kürzlich auf dem 17. Kongress der European Society of Minimally Invasive Neurological Therapy (ESMINT) in Marseille ausgezeichnet. Der Preis „Best European Publication 2025“ würdigt die Bedeutung der Arbeit für das europäische Fachgebiet der minimalinvasiven neurologischen Therapie.
Versorgung und Perspektiven in Magdeburg
In der Universitätsklinik für Neuroradiologie Magdeburg wurde eine Spezialsprechstunde eingerichtet, um Patienten mit pulssynchronem Tinnitus eine schonende, nicht-invasive Bilddiagnostik anzubieten. Ziel ist es, die hier entwickelte Methode weiter zu etablieren und den Betroffenen eine Therapieoption anzubieten, die auf die individuelle Gefäßsituation zugeschnitten ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Einsatz eines Stents zur Behandlung des pulssynchronen Tinnitus eine vielversprechende und schonende Möglichkeit darstellt, die Geräusche im Ohr wirksam zu reduzieren.
Der virtualisierte Einsatz eines Stents zur Erweiterung der verengten Hirnvene und zur Stabilisierung der Blutströmung bietet einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung des pulssynchronen Tinnitus. Diese wissenschaftlich fundierte Methode liefert nicht nur neue Erkenntnisse über die Entstehung solcher Ohrgeräusche, sondern schafft auch die Grundlage für präzisere Diagnosen und schonendere Therapien, die künftig besser auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt werden können.






