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Richtungshören mit Cochlea-Implantat lässt sich trainieren

Die Rehabilitation nach einer Cochlea-Implantation konzentriert sich häufig darauf, Sprache wieder besser zu verstehen. Wie gut ein Geräusch räumlich zugeordnet werden kann, spielt in der Nachsorge dagegen oft eine weniger wichtige Rolle. Eine aktuelle Pilotstudie aus Bochum zeigt nun, dass sich das Richtungshören bei einseitig ertaubten CI-Trägern durch ein kompaktes Training gezielt verbessern lässt.

Richtungshören mit Cochlea-Implantat lässt sich trainieren

Wie funktioniert räumliches Hören?

Räumliches Hören entsteht, indem das Gehirn Unterschiede zwischen den Signalen beider Ohren auswertet. Dazu gehören vor allem minimale Abweichungen beim Zeitpunkt und bei der Lautstärke, mit denen ein Schallereignis beide Ohren erreicht. Diese Informationen helfen dabei, eine Autohupe, eine Stimme oder ein Warnsignal schnell einer Richtung zuzuordnen. Gleichzeitig unterstützen sie das Sprachverstehen in komplexen Hörsituationen.

Bei einseitiger Taubheit fehlen diese binauralen Informationen zunächst weitgehend. Ein Cochlea-Implantat kann den beidseitigen Höreindruck wiederherstellen und das Richtungshören verbessern. Dennoch erreichen CI-Träger in Lokalisationsaufgaben häufig nicht die Genauigkeit normalhörender Personen. Genau hier setzte die Studie von Forschern der Ruhr-Universität Bochum, des Cochlear Implant Centrums Ruhrgebiet und des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen an.

Studie: räumliches Hören trainieren mit CI

An der Untersuchung nahmen 20 Erwachsene mit einseitiger Taubheit teil, die auf der betroffenen Seite mit einem Cochlea-Implantat versorgt waren. Das Durchschnittsalter lag bei knapp 54 Jahren. Über vier Wochen absolvierten die Teilnehmer zweimal wöchentlich eine rund 30-minütige Trainingseinheit.

Für das Training wurden sieben Lautsprecher in einem Halbkreis vor den Teilnehmern angeordnet. Sie befanden sich in Winkeln zwischen minus und plus 90 Grad. Aus den Lautsprechern erklangen zufällig ausgewählte Alltagsgeräusche, darunter ein Telefonklingeln, eine Türklingel, eine Autohupe und zwei gesprochene Wörter. Die Aufgabe bestand darin, die Richtung des jeweiligen Signals zu bestimmen. Nach jeder Antwort erhielten die Teilnehmer eine direkte Rückmeldung. Bei einer falschen Zuordnung wurde das Geräusch noch einmal abgespielt.

Nach Abschluss des Trainings konnten die Teilnehmer die Richtung von Schallquellen insgesamt genauer bestimmen. Die deutlichsten Fortschritte zeigten sich im vorderen Hörbereich, insbesondere bei Signalen direkt von vorn und aus einem Winkel von 30 Grad auf der implantierten Seite. Im Laufe der acht Trainingseinheiten nahm außerdem die Reaktionszeit ab. Die Teilnehmer lokalisierten Geräusche somit nicht nur genauer, sondern zum Teil auch schneller.

Bemerkenswert ist, dass die Verbesserungen drei Monate nach dem Training weiterhin nachweisbar waren. Das spricht dafür, dass es sich nicht nur um einen kurzfristigen Gewöhnungseffekt innerhalb der einzelnen Übungseinheiten handelte. Allerdings verfügte die Untersuchung über keine Kontrollgruppe. Deshalb lässt sich noch nicht abschließend beurteilen, welcher Anteil des Erfolgs tatsächlich auf das Training und welcher möglicherweise auf die wiederholte Durchführung der Hörtests zurückzuführen ist. Die Autoren sprechen entsprechend von einer Pilotstudie und fordern Untersuchungen mit größeren Teilnehmergruppen.

Die Ergebnisse geben auch Hinweise darauf, welche Faktoren das Richtungshören beeinflussen. Jüngere Teilnehmer und Personen mit kürzerer Taubheitsdauer erzielten im Durchschnitt bessere Leistungen. Das Alter beeinflusste jedoch nicht die Geschwindigkeit, mit der die Teilnehmer lernten. Ältere CI-Träger konnten ihre Fähigkeiten also grundsätzlich in einem ähnlichen Tempo verbessern. Selbst Teilnehmer mit ausgeprägtem Tinnitus profitierten vom Training. Der Tinnitus wirkte sich vor allem zu Beginn negativ auf die Lokalisationsleistung aus, dieser Unterschied verlor im Trainingsverlauf jedoch an Bedeutung.

Richtungshör-Training für CI-Versorgte

Für Hörakustiker ist die Studie vor allem deshalb interessant, weil sie den Blick über das klassische Sprachverstehen hinaus lenkt. Ein CI-Träger kann in einem ruhigen Raum gute Sprachtestergebnisse erzielen und im Alltag dennoch Schwierigkeiten haben, Sprecher, Fahrzeuge oder Warnsignale räumlich einzuordnen. Solche Probleme werden nicht immer von selbst angesprochen. Fragen nach der Orientierung im Straßenverkehr, nach Gruppengesprächen oder nach der Richtung, aus der jemand ruft, können deshalb ein sinnvoller Bestandteil der Nachsorge sein.

Aus der Studie lässt sich noch kein standardisiertes Training für jedes Fachgeschäft ableiten. Der untersuchte Aufbau mit sieben Lautsprechern, definierten Winkeln und kontrollierten Pegeln ist nicht ohne Weiteres auf beliebige Übungssituationen übertragbar. Hörakustiker können die Erkenntnisse jedoch für die Beratung nutzen und Kunden darauf hinweisen, dass räumliches Hören nicht ausschließlich von der technischen Versorgung abhängt. Das Gehirn muss lernen, die unterschiedlichen Signale des normalhörenden und des implantierten Ohres gemeinsam auszuwerten.

Auch die regelmäßige Nutzung des Cochlea-Implantats bleibt wichtig, damit dem Gehirn möglichst konstant beidseitige Hörinformationen zur Verfügung stehen. Hörakustiker können zudem realistische Erwartungen vermitteln: Fortschritte sind möglich, sie entstehen aber nicht zwangsläufig sofort und fallen je nach Taubheitsdauer, Ausgangsleistung und individueller Hörsituation unterschiedlich aus.

Die Pilotstudie zeigt damit einen vielversprechenden Weg für die zukünftige CI-Rehabilitation. Ein überschaubares Training mit realitätsnahen Geräuschen und direkter Rückmeldung konnte das Richtungshören verbessern, und der Effekt blieb über mehrere Monate erhalten. Noch fehlen allerdings größere kontrollierte Studien, bevor ein solches Programm zum festen Bestandteil der Nachsorge werden kann.

Quelle: https://journals.publisso.de/en/journals/zaud/volume8/zaud000091