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Signia IX: Rückblick auf eine Ära – mit Geschäftsführer Tobias Wiedmann

2025 markiert für Signia den vorläufigen Höhepunkt einer Ära: Mit den letzten IX-Zugängen kann Signia zum ersten Mal seit langem ein konsequentes Gesamtportfolio auf einer Technologie-Plattform anbieten – in einer enorm großen Vielfalt. Ergänzt um kreative Konzepte wie die Brand Experience blickt der jüngste Hersteller der Branche zurück auf eine mehr als zufriedenstellende erste Dekade. Im Gespräch zog Geschäftsführer Tobias Wiedmann Resümee.

Signia IX Rückblick auf eine Ära – mit Geschäftsführer Tobias Wiedmann
Geschäftsführer Tobias Wiedmann (rechts.) ist äußerst zufrieden, wenn er auf die letzten 10 Jahre von Signia blickt.

Signia mit dem breitesten Portfolio der Branche

Die vergangenen Monate standen bei Signia im Zeichen einer strategischen Weichenstellung: ein komplettes Portfolio auf einer Plattform. Für Geschäftsführer Tobias Wiedmann ist das etwas Besonderes. „Nach sehr langer Zeit haben wir jetzt ein Portfolio, das komplett auf einer Plattform läuft. Keine Exoten mehr, die zwei oder drei Plattformen älter sind“, sagt er. Für die Partner draußen bedeute das vor allem Einfachheit: Sie können endlich bauformunabhängig beraten, mit konsistenter Audiologie, klarer Argumentation und weniger Komplexität.

Insio IX und Silk IX: Custom Made versus Instant Fit?

Trotz dieser Vereinheitlichung bleibt Raum für Besonderes. Innerhalb der IX-Plattform spielen diskrete IdO-Lösungen eine zentrale Rolle – allen voran der jüngste Neuzugang Insio Charge&Go IX. Das Custom-Gerät versteht Wiedmann als logische Ergänzung zum erfolgreichen Instant-Fit Hörsystem Silk Charge&Go IX. „Viele Endkunden wollen ein sehr diskretes Produkt, das kaum sichtbar ist und einfach funktioniert. Sie wollen das Gerät aus der Hosentasche nehmen, einsetzen und einfach hören – ohne weiteren Schnickschnack.“ Und dass dieses Bedürfnis wohl aktueller denn je ist, zeigt die für ein Custom-Produkt ungewöhnlich hohe Nachfrage – von Beginn an: „Einige Kunden haben bereits im Vorfeld Abdrücke machen lassen und auf den Marktstart gewartet“, so Wiedmann.

Dass sich das Silk IX und das Insio IX dabei in die Quere kommen könnten, glaubt Wiedmann nicht. Es gebe sicher einzelne Wechsel, räumt er ein, „aber insgesamt verbreitern wir das Segment eher, als dass wir es uns gegenseitig wegnehmen“. Insio IX ermögliche Versorgungen, die mit Instant-Fit-Lösungen nicht abbildbar seien – etwa bei höheren Verstärkungsleistungen oder anspruchsvolleren Gehörgängen. Gleichzeitig hätten IdO-Lösungen dort Nachteile, wo wiederum Instant Fit-IdOs Vorteile ausspielen könnten: Vor allem die Einfachheit sei ein entscheidender Faktor, „dieses Plug-and-Play-Gefühl“. Beide Produkte haben eben ihre Berechtigung.

OTC-Hörsysteme und Selbstanpassung: Eine Gefahr für Hersteller wie Signia?

Aber was, wenn man den Bogen weiterspannt – Richtung OTC-Produkte, AirPods, KI-gestützte Selbstanpassung und Co.? „Ich beobachte den Markt aufmerksam – aber ganz ehrlich: Solche Themen kommen regelmäßig hoch und verschwinden genauso schnell wieder“, findet Tobias Wiedmann. Der Grund dafür liege weniger in der Technik selbst als im veränderten Arbeiten mit Kunden. „Ein OTC-Hörgerät ist ein anderes Produkt, eine andere Customer Journey.“

Dennoch sieht er auch Chancen: Der Signia Assistant zeige, dass man den Endkunden durchaus stärker miteinbeziehen könne, um Anpassungen effizienter und komfortabler, den Einstieg niedrigschwelliger zu gestalten – und um Bewusstsein für gutes Hören zu schaffen. Der Anspruch bleibe aber klar: „Wir als Hörgerätehersteller müssen immer dort besser sein, wo es darauf ankommt – beim Hören selbst.“

Signias Brand Experience macht Konjunktur

Tobias Wiedmann Signia Marco Schulz meinhoergeraet
Signia-Geschäftsführer Tobias Wiedmann (rechts) im Gespräch mit Marco Schulz von pro.meinhoergeraet.de

Und dafür geht Signia gerne auch unkonventionelle Wege – zum Beispiel mit dem Thema Brand Experience. Das Store- und Beratungskonzert sorgt seit einiger Zeit für Diskussionen in der Branche. Wiedmann kennt die Skepsis. „Viele schauen drauf und sagen: cool – aber auch teuer.“ Dabei sei es wichtig, die Brand Experience nicht einfach als Möbelstück, als Einrichtungsgegenstand zu betrachten. „Es geht gar nicht so sehr um den Tisch. Es geht um den gesamten Prozess: darum, wie du den Kunden abholst, wie deine Laufwege sind, wie du Beratung neu denkst.“

Mitunter deshalb habe man das Konzept von Anfang an offen gespielt, erklärt er, „und wo geht das besser als mitten auf dem EUHA-Stand?“, so Wiedmann. Jeder konnte es anfassen, erleben, hinterfragen. Und genau das habe etwas verändert. „Dieses Jahr war deutlich mehr Neugier zu spüren als noch im Jahr zuvor.“

Und dass das Konzept funktioniert, zeigen für ihn auch Effekte, mit denen vorher keiner gerechnet hätte: „Dadurch, dass sich der Tisch mitten im Laden befindet, lernen die Mitarbeitenden voneinander, es findet mehr Interaktion statt – anders als wenn jeder isoliert in Kabinen arbeitet. Das Team als solches wächst stärker zusammen – das hatten wir so gar nicht auf dem Schirm.“

Mit inzwischen rund 50 installierten Tischen in Deutschland und weiteren in Planung wächst das Konzept kontinuierlich. Ergänzt wird es durch Community-Events, Feedback-Formate und einen engen Austausch mit Partnern. Ziel sei es nicht, schnell zu skalieren, sondern nachhaltig.

10 Jahre Signia: „Das ist erst der Anfang“

Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick nach vorne – auf ein besonderes Jahr. 2026 feiert Signia zehnjähriges Bestehen. Eine junge Marke, die aus dem Siemens-Erbe heraus entstanden ist und sich dennoch neu definieren musste. Wiedmann blickt stolz zurück. „Uns wurde damals oft der Tod der Marke vorhergesagt.“ Heute, zehn Jahre später, stehe Signia stärker denn je da. Möglich geworden sei das nur durch klare Entscheidungen, Fokus auf das Kerngeschäft und die enge Zusammenarbeit mit Akustikern. „Ohne die Menschen, die diese Reise mitgegangen sind, wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Das Jubiläumsjahr soll dabei kein Rückblick bleiben, sondern ein Startschuss. Geplant sind neue Produkte, erweiterte Konzepte, Kampagnen und Formate, die das junge, frische Markenbild weitertragen. „Zehn Jahre waren gut“, sagt Wiedmann, „aber eigentlich ist das jetzt erst der Anfang.“

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