Sonova zieht die Reißleine und kündigt zum Ende des Geschäftsjahres einen strategischen Kurswechsel an, der es in sich hat. Der Konzern will sich von seiner Consumer Sparte trennen, darunter auch die Sennheiser Aktivitäten rund um Kopfhörer, Earbuds und Hearables. Gleichzeitig formuliert man ambitionierte Ziele und stellt das Hörgerätegeschäft samt Cochlea Implantate klar in den Mittelpunkt. Auch vor dem Hintergrund der jüngsten Marktverschiebungen, etwa nach der Übernahme von GN durch Amplifon und Kind durch Demant, bekommt dieser Schritt zusätzliches Gewicht. Für CEO Eric Bernard, der erst seit einem Jahr im Amt ist und zuvor bei WS Audiology für Strategie und Expansion verantwortlich war, dürfte das Update mehr sein als ein Ausblick. Nach schwacher Aktienentwicklung und wachsendem Druck von Investoren wirkt es wie eine Kampfansage für das kommende Geschäftsjahr.

Fokus statt Vielfalt: Warum Sonova die Consumer Sparte abstößt
Mit der geplanten Trennung vom Consumer Hearing Geschäft verabschiedet sich Sonova bewusst von einem Bereich, der zwar wachstumsstark, aber strategisch offenbar nicht mehr passend ist. Der Mitteilung nach wolle man sich klarer auf die Kernaktivitäten konzentrieren, also klassische Hörsysteme und Cochlea Implantate.
Das Consumer Segment rund um Sennheiser hatte andere Marktlogiken, andere Innovationszyklen und vor allem eine andere Zielgruppe. Während es dort um Lifestyle und Unterhaltungselektronik ging, sieht Sonova seine Zukunft zunehmend im medizinisch geprägten Hörgerätemarkt. Die Trennung wirkt damit wie ein Befreiungsschlag, um Ressourcen gezielter einzusetzen.
Eric Bernard zeigt sich in einem Beitrag auf LinkedIn zuversichtlich, dass Sonova über das nötige Talent, die Innovationskraft und die richtige Haltung verfüge, um die gesteckten Ziele zu erreichen, und betont, er freue sich auf den weiteren gemeinsamen Weg mit den Mitarbeitern weltweit.
Strategisches Timing: Ein Schritt im Schatten der Branchenverschiebungen
Auffällig ist das Timing. Die Nachricht kommt in einer Phase, in der sich die Branche ohnehin neu ordnet. Nach der Übernahme von GN durch Amplifon und Kind durch Demant verschieben sich die Kräfteverhältnisse spürbar.
Vor diesem Hintergrund könnte das Strategieupdate von Sonova auch als klare Ansage interpretiert werden. Der Konzern positioniert sich neu und setzt ein Signal an Wettbewerber, Investoren und Analysten gleichermaßen. Man wolle nicht nur mithalten, sondern aktiv gestalten.
Der neue CEO unter Druck: Eric Bernard und die Erwartungshaltung
Mit Eric Bernard steht ein neuer CEO an der Spitze, der erst seit kurzem im Amt ist. Zuvor war er bei WS Audiology für Expansion und Strategie verantwortlich. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die nun an ihn geknüpft werden.
Die Aktie von Sonova hatte in den vergangenen Jahren an Wert verloren, die Investoren dürften daher genau hinschauen. Das Strategieupdate wirkt wie ein Versuch, Vertrauen zurückzugewinnen und gleichzeitig den Grundstein für neues Wachstum zu legen. Bernard braucht Ergebnisse, und zwar zeitnah.
6 Milliarden als Ziel: Wachstum mit klarer Stoßrichtung
Die neue Strategie ist ambitioniert. Bis zum Geschäftsjahr 2030/ 31 will Sonova einen Umsatz von 6 Milliarden Schweizer Franken erreichen. Das entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von bis zu 10 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Unternehmen auf mehrere Hebel. Innovation soll stärker in tatsächliche Nutzung übersetzt werden, etwa durch neue Designs, digitale Plattformen und KI gestützte Lösungen. Gleichzeitig will man die Vertriebsstruktur weiter ausbauen und lokale Märkte gezielter bearbeiten.
Auch das Thema Service rückt stärker in den Fokus. Kundenservice wird nicht mehr als reine Unterstützungsfunktion verstanden, sondern als aktiver Wachstumstreiber. Verbesserte Prozesse, höhere Effizienz und klar definierte Qualitätsziele sollen die Margen stärken und die Kundenbindung erhöhen.
Hörgeräte im Zentrum: Rückbesinnung auf das Kerngeschäft
Im Kern läuft alles auf eine klare Botschaft hinaus. Sonova setzt wieder voll auf das Hörgerätegeschäft. Die Verzahnung von Forschung, Produktentwicklung und Vertrieb soll enger werden, Synergien zwischen Hörsystemen und Cochlea Implantaten stärker genutzt werden.
Dabei spielt auch die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Von der ersten Kundenansprache bis zur langfristigen Betreuung will Sonova die gesamte Nutzerreise stärker vernetzen und optimieren. Das Ziel ist eine durchgängige, digitale und zugleich persönliche Versorgung.
Eine strategische Wette mit klarer Richtung
Der Strategiewechsel von Sonova ist mehr als nur ein Portfoliobereinigung. Er ist eine klare Wette auf das Kerngeschäft und auf die Zukunft der Hörgeräteversorgung. Die Trennung von Sennheiser wirkt konsequent, wenn man die unterschiedlichen Marktlogiken betrachtet. Gleichzeitig erhöht dieser Schritt den Druck. Ohne die Consumer Sparte gibt es weniger Ausreden, die Erwartungen sind klar definiert. Wenn die ambitionierten Ziele erreicht werden, könnte Sonova gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Scheitert die Umsetzung, dürfte die Kritik umso lauter werden. Für all diese Vorhaben braucht Sonova die nötigen Mittel. Umso mehr ergibt ein möglicher Verkauf von Sennheiser Sinn. Dann wären da noch die Umsatzsteigerungen. Ob die einher mit einem erhöhten Ebit gehen, werden die kommenden Jahre zeigen.
Quellen:
https://www.sonova.com/en/investor-news/sonova-presents-renewed-strategy-expand-market-leadership-ambition-reach-chf-6
https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/sonova-kuendigt-trennung-vom-consumer-hearing-geschaeft-an-ce7e5edcdd88f42c







