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Im Gespräch: Der Signia Assistant als digitaler Begleiter für Akustiker und Kunden

Wer verstehen will, wie sich die Customer Journey im Fachgeschäft gerade neu sortiert, kommt am Signia Assistant kaum vorbei. Ein Gespräch mit Produktmanager Louis Richter gibt spannende Einblicke hinter die Kulissen und zeigt, warum künstliche Intelligenz die Branche zwar nicht umkrempelt, aber an entscheidenden Stellen sinnvoll ergänzt.

Wie KI die Hörakustik verändert – der Signia Assistant als digitaler Begleiter für Akustiker und Kunden
Die audiologische Trainerin Janina Gregori im Gespräch mit Louis Richter, Produktmanager Signia Assistant (Bild: © Signia)

Vom Anpassraum in die echte Welt: Warum sich die Customer Journey verändert

Die klassische Reise des Kunden folgt seit Jahrzehnten einem bekannten Muster: Erstgespräch, Anpassung im ruhigen Raum, Testphase, Rückmeldung, Feinanpassung, Kauf. Was auf dem Papier logisch klingt, stößt in der Praxis schnell an Grenzen. Denn Hören findet nicht im Anpassraum statt, sondern draußen, im Straßenlärm, im Restaurant, beim Familienessen oder im Theater. Genau hier setzt die Idee hinter dem Signia Assistant an.

Der Signia Assistent wurde bewusst als Teil der Signia App entwickelt, um die Lücke zwischen Laborbedingungen und realer Hörumgebung zu schließen. Kunden können ihr Hörerlebnis direkt in Alltagssituationen optimieren, während der Akustiker später genau nachvollziehen kann, welche Anpassungen vorgenommen wurden. Das verändert die Ausprobe, gleichzeitig verschiebt es auch Verantwortung und Kompetenz auf eine sinnvoll dosierte Art.

Der Signia Assistant erklärt: KI als Begleiter, nicht als Ersatz

Künstliche Intelligenz ist ein Begriff, der vieles verspricht und oft ebenso viel Verunsicherung erzeugt. Louis Richter ordnet das nüchtern ein. Der Signia Assistant sei kein allwissender Algorithmus, sondern ein lernender Begleiter. Er ersetzt weder den Akustiker noch dessen Fachwissen. Vielmehr unterstütze er den Kunden dabei, sein individuelles Klangempfinden besser auszudrücken und feinzujustieren.

Technisch basiert der Assistent auf einem virtuellen neuronalen Netzwerk, inspiriert von der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. In der Praxis heißt das: Der Nutzer beschreibt ein Problem, etwa schlechtes Sprachverstehen oder störende Nebengeräusche, und der Assistent schlägt passende Lösungen vor. Je häufiger diese Interaktion stattfindet, desto besser erkennt das System individuelle Muster und Vorlieben. Der Klang wird persönlicher, nicht beliebiger.

Freifeldanpassung als Gamechanger im Fachgeschäft

Besonders spannend für Hörakustiker ist der Einsatz des Signia Assistant bereits bei der Erstanpassung. Statt ausschließlich im geschützten Raum zu arbeiten, kann der Kunde das Hörgerät unmittelbar vor der Tür des Fachgeschäfts testen und optimieren. Diese sogenannte Freifeldanpassung liefert wertvolle Daten für die spätere Feinjustierung.

Der Akustiker sieht in der Anpasssoftware, welche Änderungen der Kunde vorgenommen hat, und kann darauf aufbauen. Das spart Zeit, reduziert Missverständnisse und erhöht die Zufriedenheit auf beiden Seiten. Laut internen Auswertungen berichten rund 93 Prozent der Nutzer von einer höheren Zufriedenheit in schwierigen Hörsituationen. Eine Zahl, die in einer Branche, in der Details zählen, durchaus Gewicht hat.

Signia Assistant: KI nach deutschen Datenschutzstandards

So viel Technik verlangt nach klaren Leitplanken. Der Signia Assistant ist Teil einer Medizinproduktklasse-2-App und arbeitet innerhalb streng definierter Parameter. Kunden können keine schädlichen Einstellungen vornehmen, nichts „kaputtregeln“ und jederzeit zur ursprünglichen Anpassung zurückkehren. Hinzu kommt ein sensibles Thema: Datensicherheit. Laut Entwickler handelt es sich um ein geschlossenes System ohne Internetzugang. Daten werden anonymisiert verarbeitet und unterliegen europäischen Datenschutzstandards.

Personalisierung als Schlüssel zur Kundenbindung

Die Erwartungshaltung der Kunden hat sich spürbar verändert. Wer täglich Apps wie WhatsApp, Amazon oder Spotify nutzt, misst auch Hörgeräte-Apps an diesem Komfort. Ein Hörgerät für mehrere tausend Euro ohne funktionierende App wirkt für viele Kunden schlicht unvollständig. Gerade jüngere Zielgruppen erwarten Streaming, Telefonie und eine intuitive Bedienung. Die Downloadzahlen der Signia App steigen entsprechend kontinuierlich.

Ein Stichwort, das im Gespräch immer wieder fällt: Personalisierung. Der eigene Klang ist etwas zutiefst Persönliches. Der Signia Assistant nutzt genau dieses Potenzial, indem er individuelle Vorlieben erkennt und berücksichtigt. In der Branche spricht man bereits von Hyperpersonalisierung, ein Begriff, der aus dem E-Commerce stammt. Studien deuten darauf hin, dass eine hohe Interaktion mit der App die Bindung zwischen Akustiker und Kunde sogar stärkt. Die Technik wird damit nicht zum Störfaktor, sondern zum Bindeglied. Der Akustiker bleibt erster Ansprechpartner, erhält aber ein zusätzliches Werkzeug, das Effizienz schafft und gleichzeitig Nähe ermöglicht.

Effizienz, Entlastung und Fachkräftemangel

Neben besserem Hören geht es auch um handfeste betriebliche Fragen. Nachwuchsmangel und steigender Effizienzdruck beschäftigen viele Betriebe. KI-gestützte Lösungen können Routinefälle abfangen, etwa einfache Serviceprobleme oder grundlegende Anpassungen. Das verschafft Freiräume für das, was sich nicht digitalisieren lässt: persönliche Beratung und Beziehungspflege. Der Signia Assistant versteht sich dabei als verlängerter Arm des Akustikers. Er sammelt Informationen, strukturiert Rückmeldungen und macht Anpassungen nachvollziehbar.

Künstliche Intelligenz verändert die Spielräume, auch in der Hörakustik. Der Signia Assistant zeigt exemplarisch, wie digitale Begleiter die Customer Journey sinnvoll erweitern können, ohne das handwerkliche Fundament zu untergraben.