Im-Ohr-Hörsysteme sind seit jeher der Way-to-Go für maximale Diskretion. Klein, unauffällig, maßgefertigt – aber technisch oft ein bisschen hinter den RIC-Allroundern. Dass sich dies allmählich ändert, zeigt nun auch das Insera S-R von Unitron, das Ende Januar erschienen ist. Mit Akku-, und Bluetoothtechnologie, KI-Automatik und flexibler Anpassphilosophie ist es ein echtes Technikwunder. Wir haben mit Audiologieleiterin Anja Weinreich und Senior Trainer Daniel Schopf gesprochen.

Bluetooth im IdO: Endlich kein Kompromiss mehr bei der Konnektivität
Bluetooth und Akku im Im-Ohr-Format war lange eine Art Kompromisslösung. Entweder war das IdO funktional stark eingeschränkt oder baulich klobig. Beim neuen Insera S-R von Unitron hat man für beides eine Lösung gefunden. Doch das war gar nicht so leicht, wie Produkttrainer Daniel Schopf für uns auf den Punkt brachte: „Wie sichtbar macht man so ein Gerät?“.
Gerade im IdO-Bereich sei das immer ein Balanceakt. Denn anders als beim RIC muss man beim IdO immer auch die Baugröße im Blick haben. „Und da haben wir aus der Vergangenheit gelernt“, so Schopf. „Wir haben in der Fertigung neue Ansätze entwickelt, damit das Gerät klein bleibt – trotz Bluetooth und Akku.“ Dies sei mitunter auch der Grund, weshalb es nun zwei Hörgerätegenerationen angedauert hat, bis ein neues IdO im Portfolio landet.
Und die Qualität der Streaming-Technologie muss sich dabei keineswegs vor RICs verstecken: wie für Unitron-Hörsysteme üblich ist auch das Insera S-R universell koppelbar – dank Bluetooth Classic. Oder wie Daniel Schopf es formuliert: „Ich kann wirklich sämtliche Geräte anbinden – vom Smartphone bis zum Festnetztelefon.“
Und darüber hinaus sorgen eine stabilere Verbindungen, eine höhere Übertragungsleistung und mehr Reichweite dafür, dass Streaming und Telefonie im Alltag auch wirklich zuverlässig läuft – und nicht nur auf dem Datenblatt gut aussehen. Auf den Punkt gebracht: Mit dem Insera S-R müssen sich Kunden jetzt nicht mehr zwischen Diskretion und Konnektivität entscheiden.

Ungewöhnlich: Insera S-R ist ein IdO mit Akku

Und das gleiche gilt für die Akkutechnologie. Noch vor wenigen Jahren galt ein wiederaufladbares IdO fast als Widerspruch in sich. Zu wenig Platz, zu hohe Anforderungen an Schutz und Langlebigkeit. Das Insera S-R ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man konsequent dafür arbeitet: Es hat Lithium-Ionen-Akkus, die mithilfe einer ausgeklügelten Snap-and-Charge-Lösung geladen werden. Der Akku läuft nach Herstellerangaben bis zu 29 Stunden, bevor er erneut geladen werden muss.
Ein weiterer Aspekt sind die höheren Anforderungen, die der Akku aushalten muss: Gerade im Ohr, wo Feuchtigkeit und Cerumen eine Rolle spielen, sei das kein Nebenthema. „Da kann vieles rankommen – und genau deshalb muss das System entsprechend robust sein. Der Akku ist deshalb besonders gut geschützt und dadurch langlebig.“
Gleichzeitig bleibt Unitron aber auch pragmatisch und bietet mit einer Batterievariante eine Alternative für Kunden, die noch mehr Diskretion oder klassische Energieversorgung bevorzugen.
Bei IdOs besonders sinnvoll: Alle Technologiestufen in einem Gerät dank FLEX
Ein besonders spannender Aspekt des Insera S-R ist weniger Hardware als vielmehr das dahinterliegende Konzept. FLEX ist bei Unitron kein neues Thema, bekommt im IdO-Bereich aber eine ganz andere Relevanz. Audiologieleiterin Anja Weinreich bringt es auf eine einfache Formel: „Wir haben jetzt im Im-Ohr-Gerät alle Leistungsfunktionen vom ERA-Chip – und es ist upgradefähig.“ Genau dieser Punkt macht den Unterschied.
Die Idee ist bekannt, aber im IdO-Kontext besonders nützlich: Während der Anpassung kann der Kunde verschiedene Technologiestufen direkt im gleichen Gerät erleben. Kein Wechsel zwischen unterschiedlichen Hörsystemen, kein Vergleich unter unterschiedlichen akustischen Bedingungen. Stattdessen ein direkter Vergleich im maßgefertigten IdO.
Gerade hier liegt der eigentliche Mehrwert. Denn Im-Ohr-Systeme werden individuell gefertigt – eine Entscheidung für eine Technologiestufe muss ansonsten getroffen werden, bevor das finale Gerät überhaupt gefertigt werden konnte. Damit verschiebt sich dieser Moment in die reale Nutzungssituation.
Weinreich sieht darin auch einen klaren Vorteil für die Beratung: „Wir können die Bluetooth-Technologie mit dem Akku und dem gesamten Feature-Set kombinieren – und gleichzeitig im Ohr-Gerät flexibel bleiben.“ Nach dem Kauf bleibt diese Flexibilität erhalten. Über FLEX:UPGRADE kann der Hörakustiker die Technologiestufe nachträglich anpassen. Für den Kunden bedeutet das Investitionssicherheit, für den Akustiker eine deutlich entspanntere Beratungssituation.

Unitron setzt auf KI-Automatik und ästhetisches Design – auch bei IdOs
Auch beim Thema Automatik setzt Unitron auf bekannte Elemente aus der aktuellen Plattform. Das Integra OS erkennt acht Hörumgebungen und passt die Signalverarbeitung entsprechend an. Funktionen wie AutoFocus 360 oder HyperFocus zielen darauf ab, Sprachverstehen in komplexen Situationen zu verbessern. Weinreich betont: „Wir haben im Prinzip das komplette Feature-Set aus den RIC-Geräten jetzt im Im-Ohr-Format.“
Das Insera S-R versucht nicht mehr ausschließlich, unsichtbar zu sein. Stattdessen bewegt es sich irgendwo zwischen Diskretion und bewusstem Design. Die Technik wird nicht versteckt, sondern integriert. Und genau darin sieht Weinreich auch eine Entwicklung im Markt: Ästhetik wird zunehmend zum Kaufargument – auch im IdO-Segment. Geräte sollen nicht nur funktionieren, sondern auch zum Lebensstil passen.
Für Hörakustiker entsteht durch das neue Insera S-R vor allem eines: mehr Argumentationsspielraum. Kunden, die sich bisher zwischen Bauform und Funktion entscheiden mussten, bekommen eine zusätzliche Option. Oder, etwas kürzer zusammengefasst mit einem Satz von Weinreich: „Wir bringen die volle Leistung ins Ohr.“





