Ein Hörgerät ist nur so gut wie die Otoplastik: Ein unpassendes Ohrpassstück oder gar Schirmchen können nie das bestmögliche aus dem Gerät herausholen. Und gerade bei Kindern kann das ernste Folgen für die Sprachentwicklung haben. Über Dos und Don’ts in der Kinderversorgung haben mit Martin Becker gesprochen. Er ist Vertriebsaudiologe beim Otoplastikhersteller Audia.

Pädakustik: Warum ist eine passende Otoplastik so wichtig?
Gut zu hören ist essenziell für die Sprachentwicklung von Kindern – gerade in den ersten Jahren. „Sprache, Lautunterscheidungen und auditive Verarbeitung lernt das Kind in einer sensiblen Phase, in der es auf kontinuierliche Hörinformationen angewiesen ist“, erklärt Becker, Vertriebsaudiologe beim Otoplastikhersteller Audia.
„Fehlen diese Informationen über längere Zeit, entstehen Lücken in der Hör- und Sprachentwicklung, die später nur schwer wieder aufzuholen sind“, sagt er. Oder anders ausgedrückt: „Jede Stunde, in der ein Kind in den frühen Lebensjahren nicht ausreichend versorgt hört, ist eine Stunde, die für die auditive und sprachliche Entwicklung verloren geht.“
Das zeigt, wie wichtig es ist, dass schwerhörige Kinder ihre Hörgeräte konsequent nutzen. Warum ausgerechnet die Otoplastik dabei eine große Rolle spiele, habe mehrere Gründe, so Martin Becker: „Zum einen entstehen unangenehme Rückkopplungen, wenn die Otoplastik nicht richtig passt. Außerdem ist eine schlechtsitzende Otoplastik unbequem, drückt oder rutscht ständig raus.“ Gerade Kinder seien hier konsequent: Was stört, wird nicht genutzt.

Die perfekte Passform für Kinder-Ohrpassstücke
Mitunter das Wichtigste ist laut Martin Becker daher die Qualität des Ohrabdrucks: „Das ist das Fundament. Kleine Ungenauigkeiten wirken sich bei Kinderohren deutlich stärker aus als bei Erwachsenen, weil der Spielraum für Abweichungen minimal ist – und je nach Alter können sich Kinder noch nicht klar mitteilen, wenn etwas nicht passt.“ Martin Becker empfiehlt deshalb, auf größte Sorgfalt zu achten und ergänzt: „Ungenaue Abdrücke ziehen wir auch nicht einfach im Labor glatt. In solchen Fällen bitten wir den Akustiker um einen neuen Abdruck.“
Ein weiterer Unterschied zur Erwachsenenversorgung: „Kinderohren wachsen und verändern ihre Form. Eine Otoplastik die heute passt, könnte schon in wenigen Wochen schlecht sitzen.“ Je nach Alter richte sich daher der Intervall, innerhalb dessen die Otoplastiken überprüft und bei Bedarf erneuert werden sollten.
Martin Becker empfiehlt: „Bei Kindern bis drei Jahren sollten Otoplastiken etwa alle drei Monate auf die Passform hin überprüft werden. Im Alter von drei bis sechs Jahren genügen häufig vier- bis sechsmonatige Kontrollen.“

Welches Material ist am besten für Kinder-Otoplastiken?
Neben der Passform spiele aber auch das Material eine Rolle, wie uns Martin Becker erklärt. Und auch das richte sich nach dem Alter: „Für Kinder unter etwa vier Jahren gilt Silikon als bevorzugtes Material. Es ist weich, hautfreundlich und kann die ständigen Bewegungen und Druckeränderungen im Alltag besser kompensieren.“
Ab dem Schulalter könne man auch härtere Materialien probieren – zum Beispiel Acryl oder Fototec. „Diese Materialien haben akustisch bessere Eigenschaften und sind außerdem leichter zu reinigen“, erklärt Becker. Für den Übergang von vier bis etwa acht Jahren eigne sich zudem das Material Thermotec. Das biete einen guten Kompromiss aus Flexibilität und Stabilität.
Neben all diesen eher technischen Aspekte, gebe es aber noch einen weiteren, der dazu führen könne, dass Kinder ihre Hörgeräte gerne tragen würden: „Farbe, Form und Gestaltung sind keine Nebensächlichkeit. Im Gegenteil: Sie beeinflussen maßgeblich, ob ein Kind das Hörgerät als störend oder als selbstverständlichen Teil seines Lebens wahrnimmt“, weiß Martin Becker aus Erfahrung.
„Wenn eine Otoplastik Interessen wie Fußball oder Dinosaurier aufgreift, steigt die Trageakzeptanz bei den Kindern deutlich. Die Kinder können sich dann mit ihrem Hörgerät identifizieren“, erklärt Becker. Und das sei eine Chance: Gerade in diesem Alter sei Motivation und Gewohnheit gut miteinander verknüpfbar.
Was man bei alledem nicht vergessen dürfe, sei natürlich die Aufklärung – sowohl der Kinder als auch der Eltern. „Eine Erfolgreiche Pädakustik lebt davon, dass Eltern verstehen, warum bestimmte Schritte notwendig sind und welche Auswirkungen sie auf die Entwicklung des Kindes haben.“
Alle Infos über die Kinder-Otoplastiken von Audia erhaltet Ihr hier.




