Wer mit Otoplastiken arbeitet, kennt das Thema: Materialien müssen zuverlässig, biokompatibel und verarbeitungssicher sein. Ein Stoff, der dabei lange Zeit eine wichtige Rolle spielte, war TPO. Das Problem: TPO wird inzwischen als “reproduktionstoxisch 1B” eingestuft, also fortpflanzungsschädigend. Der Otoplastikhersteller Dreve befindet sich daher aktuell in einer umfassenden Portfolioumstellung. Wir haben mit Senior Produktmanagerin Michaela Hohenhorst gesprochen.

TPO: Warum ist es wichtig? Warum steht es in der Kritik?
Der chemische Name von TPO lautet Diphenyl(2,4,6-trimethylbenzoyl)phosphinoxid. Klingt sperrig, ist aber im Kern ein Photoinitiator, der dafür sorgt, dass lichthärtende Kunststoffe schnell und präzise aushärten. TPO wurde bisher in kleinen Mengen (unter 5 %) eingesetzt und hatte für die Hörakustik klare Vorteile: mechanische Stabilität, Biokompatibilität und sichere Prozesse bei der Herstellung.

Die europäische Chemikalienagentur hat TPO jedoch als sogenannten CMR-Stoff (cancerogen, mutagen, reproduktionstoxisch) eingestuft. Damit ist er kennzeichnungspflichtig – und für viele Hersteller schlicht keine Option mehr. In Kosmetikprodukten ist TPO seit dem 1. September 2025 sogar verboten
Dreve hat deshalb früh reagiert und nach Alternativen gesucht: „Die Umstellung auf TPO-freie Rezepturen ist für uns ein notwendiger Schritt, um die regulatorischen Vorgaben einzuhalten und gleichzeitig die Sicherheit für Hörakustiker, Anwender und deren Kunden zu gewährleisten“, erklärt Michaela Hohenhorst, Produktmanagerin bei Dreve.
Dreves TPO-Alternativen: moderne Initiatorsysteme
Damit Otoplastiken weiterhin die gleichen Anforderungen erfüllen, hat Dreve neue Rezepturen entwickelt – ohne TPO, aber mit gleichwertiger oder sogar besserer Performance, wie Hohenhorst erklärt: „Unsere neuen Formulierungen sind CMR-frei und bieten Hörakustikern und Anwendern eine gleichbleibend hohe oder sogar verbesserte Qualität in Verarbeitung und Anwendung.“ Die neuen Initiatorsysteme bringen dieselben Vorteile wie TPO mit: schnelle Aushärtung, Prozesssicherheit, hohe Stabilität.
Alternativen: Diese Dreve-Produkte gibt es (bald) TPO-frei

FotoTec® DLP.C: Das Material ist „unbreakable“ – also extrem robust, widerstandsfähig und belastbar mit höchster Schlagzähigkeit bereits ab 0,3 mm Wandstärke. Das Material eignet sich daher für filigrane Bauformen, bei absoluter Farbstabilität und in etablierten Farbstyles. Muster zur Qualifizierung stehen für dieses komplett neue, TPO-freie Material bereits zur Verfügung. Im ersten Quartal 2026 kann es regulär erworben werden.


FotoTec® DLP.A: Ein biokompatibles 3D-Druckmaterial für Otoplastiken, das in zahlreichen Farben verfügbar ist, zum Beispiel: brillant-transparent, farblos-transparent, rötlich-transparent, rot-transparent, orange-transparent, violett-transparent, grau-transparent, neongelb-transparent sowie in beige-opak, tiefschwarz-opak und weiß-brillant. Dieses Material profitiert von optimierten Initiatorsystemen, geringer Viskosität und einer perfekten Oberflächenqualität – auch hier ist die Umstellung für das erste Quartal 2026 geplant, das Muster ist ebenfalls schon erhältlich.


FotoCast®: Zur Herstellung von Cast-Schalen für weiche Otoplastiken und Gehörschutz; schnelle Bauzeiten, minimaler Reinigungsaufwand, einfaches Befüllen und Entformen mit Biopor® AB. Farbe: gelb-transparent. FotoCast® ist noch nicht offiziell in der TPO-freien Variante verfügbar – die Umstellung ist jedoch für das erste Quartal 2026 geplant. Muster zur Qualifizierung sind bereits erhältlich.

FotoCast® 2: Das Material für die Herstellung von Cast-Schalen für weiche Otoplastiken und Gehörschutz, die speziell für den Phrozen Sonic XL 4K “qualified by Dreve” entwickelt wurden, gibt es bereits TPO-frei. Die Herstellung funktioniert ohne Nachhärtung. Farbe: gelb-transparent.
Daneben hat Dreve noch einige Lacke im Sortiment, die entweder bereits TPO-frei entwickelt oder vollständig auf TPO-frei umgestellt wurden:

FotoScreen ist ein Premium-Lack für harte Otoplastiken, hat eine hochglänzende, transparente Oberfläche und bietet eine langlebige Schutzschicht.

VarioScreen ist ein Lack mit hoher Flexibilität und brillanter Oberfläche – hochglänzend, besonders widerstandsfähig und einfach anzuwenden.

Und der SoftTouch Lack ist ein elastischer Lack für harte Oberflächen mit einer hochwertigen, kratzfesten Oberfläche (farblos-transparent) und mit Anti-Rutsch-Effekt, wodurch er für einen sicheren Sitz und hohen Tragekomfort gewährleistet.
Der Fahrplan bei Dreve: sukzessive TPO-Umstellung
Am 14. Juni 2023 wurde TPO auf die SVHC-Kandidatenliste gesetzt und ist damit ein Anwärter für “besonders besorgniserregender Stoffe”. Seit längerem verzichtet Dreve daher bei Neuentwicklungen auf TPO und andere CMR-Stoffe. Schritt für Schritt werden auch bestehende Produkte angepasst. Michaela Hohenhorst fasst zusammen: „Wir arbeiten daran, unser gesamtes Sortiment auf TPO-frei bzw. CMR-frei umzustellen – damit Hörakustiker langfristig sichere und verlässliche Materialien einsetzen können.“
Die Umstellung auf TPO-freie Materialien ist also nicht nur ein regulatorischer Schritt, sondern auch ein Beitrag zur Gesundheitssicherheit für Hörakustiker und ihre Kunden. Gleichzeitig zeigt Dreve, dass Innovation in der Materialentwicklung möglich ist, ohne Kompromisse bei Qualität und Verarbeitung einzugehen. Für die Hörakustik bedeutet das: Zukunftssichere Produkte, die man guten Gewissens einsetzen kann.




