Der Zwei-Sinne-Notruf im Aufzug ist eine technische Lösung, die Menschen mit Hör- und Sprachbeeinträchtigungen in Notfallsituationen unterstützt und ihnen den Zugang zu sicheren Kommunikationsmöglichkeiten garantiert. Wenn ein Aufzug plötzlich stehen bleibt oder eine Gefahrensituation eintritt, reicht die herkömmliche akustische Notrufkommunikation für viele Gehörlose und Schwerhörige nicht aus. Sie können weder die Sprachinformationen noch akustischen Signale wahrnehmen, was die Nutzung eines rein auditiven Notrufs für diese Personengruppe völlig unbrauchbar macht.

Wie sieht der Zwei-Sinne-Notruf aus?
Der Zwei-Sinne-Notruf adressiert neben dem Hörsinn auch den Sehsinn durch visuelle Kommunikationsmöglichkeiten. So können Betroffene beispielsweise über ein fest verbautes Touch-Display oder eine Textanzeige direkten Kontakt mit geschultem Personal aufnehmen. Technologisch basiert das System auf der Erweiterung herkömmlicher akustischer Notrufgeräte um zusätzliche visuelle Kanäle. Beim Auslösen des Notrufs aktiviert sich automatisch ein Messenger auf dem Display, über den Nachrichten ausgetauscht werden können. Kommt keine akustische Kommunikation zustande, stellt die Notrufzentrale auf einen Text-Chat um. Hier können Fragen über vordefinierte Textblöcke oder Freitexte beantwortet werden. Optional kann die Notrufzentrale bei Bedarf eine Kamera einschalten, um die Situation besser zu erfassen.

Da jedoch nicht in jedem Aufzug ein solches Display installiert ist, besteht auch die Möglichkeit, mit dem eigenen Smartphone nach Drücken des Notrufknopfs und Scannen eines in der Kabine angebrachten QR-Codes den Notruf zu wählen. Ohne Installation einer App oder Mobilfunkempfang öffnet sich eine barrierefreie Benutzeroberfläche direkt im Browser. Über diese Oberfläche kommuniziert der Nutzer per Fingertipp mit der Notrufzentrale, die in Echtzeit visuell antwortet – mit Nachrichten wie „Notruf wurde übermittelt“ oder „Hilfe ist unterwegs“.
Diese Art der nonverbalen Kommunikation sorgt für mehr Sicherheit, da die eingeschlossenen Personen Informationen direkt sehen und schnell reagieren können. Auch Menschen, die die lokale Landessprache nicht sprechen, profitieren von mehrsprachigen Anzeigen und Eingabemöglichkeiten, was die Verständigung erheblich erleichtert, und Inklusion fördert.
Technische Umsetzung des Zwei-Sinne-Notrufs
Der Zwei-Sinne-Notruf lässt sich unkompliziert in bestehende Aufzugssysteme nachrüsten, ohne das komplette Notrufgerät austauschen zu müssen. Diese Technik entspricht den Anforderungen moderner Barrierefreiheitsnormen und gesetzlichen Vorgaben, die verlangen, dass Notrufsysteme mehrere Sinne ansprechen müssen. Das Zwei-Sinne-Prinzip verbessert zudem das Sicherheitsgefühl der Nutzer, ermöglicht schnelle Hilfe und erfüllt zugleich rechtliche Vorgaben, die ohne solche Lösungen nicht eingehalten werden könnten.
Wichtigkeit des Zwei-Sinne-Notrufs
Der Zwei-Sinne-Notruf ist essenziell für die Sicherheit und Teilhabe aller Menschen. Er ermöglicht eine klare, barrierefreie Kommunikation im Notfall – sowohl auditiv als auch visuell – und stellt so sicher, dass niemand aufgrund von Einschränkungen benachteiligt wird. Damit trägt er entscheidend zu mehr Inklusion und Schutz in öffentlichen Gebäuden bei.







