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KI-basierter Hörtest über Pupillenreaktionen: Ein neuer Ansatz für die objektive Hördiagnostik

Die Früherkennung von Hörverlust gilt als entscheidender Baustein, um altersbedingten Folgeproblemen wie kognitivem Abbau, sozialer Isolation oder eingeschränkter Alltagskompetenz frühzeitig entgegenzuwirken. Klassische Hörtests erreichen viele ältere Menschen jedoch nur unzureichend – sei es mangels Zugang zur audiologischen Versorgung oder aufgrund von Einschränkungen. Ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt aus den USA verfolgt nun einen alternativen Ansatz: Statt auf aktive Mitarbeit zu setzen, analysiert ein KI-gestützter Hörtest die unwillkürliche Reaktion der Pupillen auf Schallreize.

KI-basierter Hörtest über Pupillenreaktionen: Ein neuer Ansatz für die objektive Hördiagnostik im Alter
Bild: © Meredith Forrest Kulwicki, University at Buffalo

Hörverlust, Demenzrisiko und Versorgungslücken im Alter

Zahlreiche Studien belegen, dass unbehandelter Hörverlust mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen, Alzheimer sowie psychische und soziale Folgen wie Depression oder gesellschaftlichen Rückzug verbunden ist. Dennoch nehmen viele ältere Erwachsene keine regelmäßigen Höruntersuchungen in Anspruch. Neben strukturellen Hürden spielt auch die Akzeptanz eine Rolle, da Hörprobleme häufig verdrängt oder unterschätzt werden.

Hinzu kommt, dass standardisierte audiometrische Verfahren bei Menschen mit kognitivem Abbau an ihre Grenzen stoßen. Werden Testanweisungen nicht richtig verstanden oder umgesetzt, können die Messergebnisse unzuverlässig sein. Der Bedarf an objektiven, einfach anzuwendenden Verfahren zur Hördiagnostik wächst daher insbesondere im geriatrischen und neurologischen Umfeld.

KI-Hörtest per Smartphone: Pupillenreaktionen als neuer Biomarker

Das Spin-off Auspex Medix der University at Buffalo entwickelt einen Hörtest, der auf der Messung von Pupillenreaktionen auf akustische Reize basiert. Diese physiologischen Reaktionen treten unwillkürlich auf und lassen sich unabhängig von bewusster Mitarbeit erfassen. Der Test wird mit einem Smartphone und einem speziell entwickelten, aufsteckbaren Pupillometer durchgeführt. Während über eine App verschiedene Töne abgespielt werden, misst das System die Veränderung der Pupillengröße und wertet die Daten mithilfe von KI-Algorithmen direkt aus.

Die Entwickler sehen darin einen potenziellen Biomarker für Hörverlust. Besonders relevant ist der Ansatz für ältere Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen oder frühen Stadien einer Alzheimer-Erkrankung, da der Test ohne aktive Rückmeldung der Testperson auskommt. In geplanten Studien sollen ältere Erwachsene – darunter auch Personen mit milden kognitiven Beeinträchtigungen – untersucht werden, um die diagnostische Aussagekraft des Verfahrens zu validieren.

Objektive Hörtests als Ergänzung zur klassischen Audiometrie

Das Projekt wird unter anderem durch das National Institute on Aging sowie durch unternehmerische Förderprogramme der University at Buffalo unterstützt. Parallel arbeiten die Forschenden an einer weiteren Kostenreduktion und nutzerfreundlichen Gestaltung, um eine spätere Anwendung auch im häuslichen Umfeld zu ermöglichen.

Der KI-basierte Hörtest über Pupillenreaktionen zeigt, wie sich digitale Technologien und physiologische Messverfahren zu neuen Ansätzen in der Hördiagnostik verbinden lassen. Ob sich das Verfahren langfristig als zuverlässiges Instrument zur Früherkennung von Hörverlust etabliert, müssen klinische Studien zeigen. Für Hörakustiker könnte ein solcher Test perspektivisch eine wertvolle Ergänzung darstellen – insbesondere bei Patientengruppen, die mit herkömmlichen audiometrischen Methoden nur schwer erreichbar sind.