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Warum eigentlich „Super Human Hearing“? Dave Fabry von Starkey über seine Lieblingsfeatures von Omega AI

Die Zeit des Hörgeräts als reine Hörhilfe ist längst Geschichte – aber die Grenzen sind noch lange nicht ausgelotet. Kaum ein anderer Hersteller macht das so deutlich wie Starkey: CEO Brandon Sawalich spricht von seiner Vision des „Super Human Hearing“ – also der sprichwörtlichen Verleihung übernatürlicher Fähigkeiten durch Hörsysteme. Was damit wirklich gemeint ist, hat uns Dave Fabry erklärt – Starkeys Chief Hearing Health Officer hat uns seine zwei Lieblingsfeatures genannt, die hierauf einzahlen.

Warum eigentlich Super Human Hearing - Dave Fabry von Starkey über seine Omega AI-Lieblingsfeatures
Dave Fabry (links) zeigt Marco Schulz von pro.meinhoergeraet.de das neue Feature TeleHear AI.

Mit Omega AI führt Starkey seinen Weg in Richtung „Super Human Hearing“ konsequent fort. Neben den neuen Technologien, welche die Sprachverständlichkeit noch einmal wesentlich verbessern, geht es dem Hersteller nämlich einmal mehr um die Kombination von Audiologie und Health Tech – ein Ansatz, den der Hersteller seit 2018 systematisch verfolgt. Dave Fabry erinnert sich: „Wir wussten schon damals, dass Menschen, die über eine Hörgeräte-Versorgung nachdenken, mehr wollen als nur besseres Hören“, sagt Fabry. „Sie wollen in erster Linie Lösungen, die ihr Wohlbefinden verbessern.“

Feature 1: Starkeys Health-Funktionen wie Sturzalarm und Balance Builder

Der zentrale Gedanke: Hören spielt in der Zielgruppe genauso eine Rolle wie Gesundheit, Bewegung und Gleichgewicht. Diesen Zusammenhang bezieht Starkey bewusst in seine Produktenwicklung mit ein. „Wenn jemand 75 Jahre alt ist und sich kaum bewegt, kann allein das stündliche Aufstehen messbare Effekte auf die Gesundheit haben“, erklärt Fabry. „Denn selbst einfache Bewegungen wirken sich positiv auf Herz-Kreislauf-Gesundheit, Gleichgewicht und allgemeine Fitness aus. All diese Faktoren können das kombinierte Risiko für Hörprobleme und Bluthochdruck, Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Erkrankungen senken.“

Besonders deutlich wird Starkeys Ansatz beim Thema Stürze. Bereits seit 2019 werden Sensoren im Ohr für die Sturzerkennung eingesetzt – der Sturzalarm ist in der Branche inzwischen bekannt. Doch Fabry räumt offen ein: „Wenn ein Gerät einen Sturz erkennt, ist es eigentlich schon zu spät. Der Sturz ist ja bereits passiert.“ Ein neues Feature setzt deshalb bei der Prävention an: der Balance Builder. Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hat Starkey ein Programm entwickelt, das darauf abzielt, Stürze zu verhindern, bevor sie entstehen.

Dazu gehören Gleichgewichts- und Krafttests, die direkt über das Hörgerät initiiert werden können. Ein Beispiel: Wie oft schafft es der Nutzer, innerhalb von 30 Sekunden ohne Hilfe der Arme aus einem Stuhl aufzustehen? Dabei analysieren die in den Hörsystemen integrierten IMU-Sensoren (Inertial Measurement Units) zusätzlich die Qualität der Bewegungen und erkennen, ob der Bewegungsablauf flüssig oder instabil ist. „Zeigt sich hier ein Defizit, kann man gezielt gegensteuern“, sagt Fabry. „Mit individuellen Übungen, die das Gleichgewicht verbessern und das Sturzrisiko senken.“

Feature 2: Feinanpassungen durch den Nutzer mit KI und TeleHear AI

Dave Fabry Starkey und Marco Schulz
Chief Hearing Health Officer Dave Fabry (l.) mit Marco Schulz von pro.meinhoergeraet.de.

Dass sich dank KI die Rechenleistung in immer kürzeren Abständen vervielfacht, eröffnet auch in der Hörakustik Chancen: Nutzer können seit Omega AI nach der professionellen Anpassung selbst Feineinstellungen vornehmen, etwa wenn sich Stimmen „anders“ anhören oder eine Hörsituation besonders herausfordernd ist. Das neue Feature hierfür heißt TeleHear AI. „Der Nutzer schildert über die App sein Problem und das Gerät gibt dann Optionen vor, die der Nutzer ausprobieren kann“, erklärt Fabry. „Das stärkt Selbstvertrauen und Sicherheit – gerade bei Erstträgern. Der Nutzer behält eine gewisse Kontrolle und ist dem Algorithmus nicht ausgeliefert.“

Hier ist Fabry jedoch die klare Abgrenzung wichtig – vor allem in Hinblick auf sogenannte Over-The-Counter-Hörsysteme (OTCs), also freiverkäufliche Hörverstärker, die der Nutzer meistens vollständig selbst anpasst: Starkey glaubt weiterhin an das verschreibungspflichtige Modell und an die zentrale Rolle des Hörakustikers. „Die besten Ergebnisse entstehen in professionellen Händen“, betont er. TeleHear AI steht dem Kunden erst nach der Freischaltung durch den Hörakustiker zur Verfügung. Die vorgenommenen Einstellung werden zudem gespeichert und der betreuende Akustiker hat die Möglichkeit, diese bei der nächsten Anpasssitzung zu Rate zu ziehen. Die KI, wie Starkey sie einsetzt, setzt genau hier an – als Ergänzung, nicht als Ersatz. Und zusätzlich schließen telemedizinische Lösungen, synchrone wie asynchrone Betreuung und Remote-Anpassungen die Lücke.

Starkey mit Strategien für Fachkräftemangel und demografischen Wandel

Gerade in Deutschland könnten solche Lösungen noch wichtig werden. Die Bevölkerung altert, das durchschnittliche Anpassungsalter sinkt, und gleichzeitig wächst der Bedarf an Fachpersonal. „In fünf Jahren wird ein sehr großer Teil der Bevölkerung über 65 sein“, sagt Fabry. „Telemedizin und KI helfen, diesen Bedarf zu decken – ohne Fachkräfte zu ersetzen.“

Diese und die vielen weiteren Entwicklungen, die in Omega AI Einzug gehalten haben, laufen bei Starkey unter einer klaren Markenvision zusammen: „Super Human Hearing“. Die mag zunächst etwas pathetisch klingen – aber es geht nicht um übermenschliches Hören, sondern vielmehr um ein erweitertes Verständnis davon, was Hörgeräte leisten können. Oder, wie Fabry es zwischen den Zeilen immer wieder deutlich macht: Hörgeräte sind längst keine reinen Audio-Produkte mehr. Sie sind Gesundheitsbegleiter – und ein wichtiger Schlüssel zu mehr Lebensqualität im Alter.

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