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Audible Contrast Threshold (ACT) – alles, was Sie über die Messmethode wissen müssen

Sprache in lauter Umgebung zu verstehen, kann selbst für Menschen mit gutem Gehör schwierig sein – für Hörgeräteträger ist die Herausforderung immens. Glücklicherweise gibt es eine neue Messmethode, die dabei helfen kann, dieses Problem besser zu verstehen und individuell anzugehen: den Audible Contrast Threshold (ACT)-Test. Entwickelt wurde er vom Eriksholm Research Centre, dem Forschungszentrum der Demant-Gruppe.

Audible Contrast Threshold (ACT) – alles was Sie über die Messmethode wissen müssen

Sprache im Lärm: Bislang keine optimale Messmethode

Die Fähigkeit, Sprache in lauter Umgebung zu verstehen, ist für das tägliche Leben entscheidend. Doch herkömmliche Tests für das Verstehen von Sprache haben ihre Grenzen: Die klassische Tonaudiometrie beispielsweise ist seit über 100 Jahren sehr erfolgreich darin, den Ist-Zustand des Hörvermögens festzustellen – sie ist die Basis für jede Hörgeräteeinstellungen. Es wurde jedoch bereits mehrfach gezeigt, dass die Tonaudiometrie kein guter Indikator dafür ist, wie gut die Person Sprache im Lärm versteht.

Der typische Sprachtest in Ruhe liefert zwar nützliche Informationen über die Sprachverständlichkeit an sich – aber eben nicht über das Sprachverstehen im Störlärm. Und die üblichen Tests für das Sprachverstehen im Störgeräusch werden im Praxisalltag oft nicht durchgeführt, wie eine britische Untersuchung von Bhavisha Parmar und Saima Rajasingam zeigte: Sie seien zu zeitaufwändig und außerdem sei auch hier letztendlich nicht wirklich klar, wie die Ergebnisse in die Hörgeräteeinstellung übersetzt werden können.

Innovative Lösung: Das ACT-Messverfahren

Die Entwicklung des ACT-Test war der Versuch, eine einheitliche, einfache und schnelle Lösung für diesen blinden Fleck in der Audiometrie zu finden – mit Erfolg: Die Validität und Zuverlässigkeit des Tests konnten im Eriksholm Research Centre klinisch nachgewiesen werden. In nur etwa drei Minuten kann der ACT-Test die Sprachverständlichkeit im Störlärm ermitteln und diese Information nutzen, um die adaptiven Parameter des Hörsystems zu programmieren – zum Beispiel die Störschallunterdrückung und die Direktionalität.

So wird der ACT-Test durchgeführt

Zwingende Voraussetzung für die ACT-Messung ist ein Audiogramm, das für die Frequenzen 250 Hz, 500 Hz, 1000 Hz, 2000 Hz und 4000 Hz durchgeführt wurde. Die Start-Intensität der ACT-Messung wird nämlich automatisch an das Hörvermögen der Person angepasst. Diese hört nun über Kopfhörer zwei übereinanderliegende modulierte Signale, die jeweils eine ähnliche Wellenformen wie Störgeräusch und Sprache besitzen. Kann die Person das Sprachsignal hören, drückt sie auf einen Button.

Der Hörakustiker hat nun die Möglichkeit, die Lautstärke des sprachähnlichen Signals zu reduzieren, wenn das Gegenüber richtig lag und zu erhöhen, wenn es falsch lag. Das Ziel ist, den minimalen Kontrast zu ermitteln, der nötig ist, damit das Nutzsignal im Störgeräusch wahrgenommen wird.

Nach zwei bis drei Minuten ist der Test vorbei und der Hörakustiker erhält einen sogenannten ACT-Wert, der in dB nCL ausgedrückt wird, was für „normalized Contrast Level“ – also normalisierter Kontrastpegel – steht. Die Skala wurde auf Grundlage normativer Daten von jungen Erwachsenen mit normalem Gehör normalisiert. Das heißt: Ein normalhörender junger Erwachsener würde einen nCL-Wert von 0 erreichen.

Je höher der ACT-Wert ist, desto schwerer fällt es der Person, Sprache im Störlärm zu verstehen – und desto mehr adaptive Unterstützung benötigt sie von ihren Hörgeräten. Und das Interessante ist: dieser Wert kann sich vollkommen vom klassischen Tonaudiogramm unterscheiden.

ACT Affinity Compact

ACT-Test im Fachgeschäft: Was benötige ich?

Wer in seinem Fachgeschäft ACT-Messungen durchführen möchte, benötigt bestimmtes Zubehör: Das Audiometrie-Gerät Affinity Compact ist für die Verwendung des ACT-Verfahrens optimiert. Es wird vom Unternehmen Interacoustics hergestellt, das ebenfalls zu Demant gehört.

Wie übertrage ich den ACT-Wert in die Hörgeräteanpassung?

Prinzipiell kann man unabhängig vom Hersteller von den Vorteilen der ACT-Messung profitieren. Besonders einfach ist das Importieren des ACT-Werts über NOAH. In manchen Anpasssoftwares gibt es einen speziellen Bereich,  in den der Wert eingetragen werden kann. Sobald man dies getan hat, werden die Hörsysteme automatisch programmiert und die Hörsystemparameter entsprechend geändert.

Aber auch, wenn die Anpasssoftware keine Eingabe des ACT-Werts ermöglicht, ist die Messung hilfreich. Denn sie bietet gute Anhaltspunkte, um die entsprechenden Parameter manuell zu ändern. Der ACT-Wert ermöglicht eine objektivere Anpassung adaptiver Funktionen wie Rauschunterdrückung und Direktionalität.

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